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Freitag, 29. Januar 2010

Flächendesinfektion mit ätherischen Ölen

Seit fast zwanzig Jahren unterrichte ich Krankenpflegende und HeilpraktikerInnen, manchmal auch ÄrztInnen, im Umgang mit ätherischen Ölen. Eine der wichtigsten Eigenschaften, so lernen sie alle, ist die mit relativ einfachen Mitteln nachweisbare Wirkung der meisten duften Pflanzenmoleküle gegen Mikroben. So stellte sich schon manche(r) die Frage, warum darf ich in der Klinik oder in meiner Praxis keine Flächendesinfektion mit ätherischen Ölen machen? Vorschrift ist Vorschrift und bestimmte Anforderungen an die Desinfektion müssen in öffentlichen Institutionen diversen europäischen Normen entsprechen. Ich hörte von so manchen unerfreulichen 'Grabenkämpfchen' mit den Beauftragten der Mikrobiologie.


Nun hat eine Firma für biologische Reinigungsmittel reagiert und ein Spray zur Flächendesinfektion hergestellt und es gemäß den gesetzlichen Vorschriften durchtesten lassen. Es wirkt sogar nachgewiesenermaßen gegen H1N1-Viren, dazu rückt es anderen Grippeviren, Herpes, HIV an ihre freche Zellmembran und auch viele Pilze, Hefen sowie Bakterien wie Salmonellen und Colibakterien müssen laut Hersteller nun das Fürchten auch von Nicht-Chemiekeulen lernen. Vielleicht ist dies ein kleiner stiller Anfang, dass Resistenzen von Keimen in Heil- und Pflegeeinrichtungen endlich eingedämmt werden. Damit irgendwann mal keiner mehr an Sekundärinfektionen durch MRSA und anderen 'Viechern' sterben muss, sondern allenfalls an seiner ursprünglichen Erkrankung. Hier der Originaltext der Firma Sonett:
Laut Gutachten vom 4.11.2009 ist die Sonett Flächendesinfektion „ wirksam gegen alle menschlichen und tierischen Grippe Erreger, einschließlich H5N1 und H1N1“.
Wir möchten dies zum Anlass nehmen Sie über das Wirkungsspektrum, die Anwendungsbereiche und die Zusammensetzung der SONETT FLÄCHENDESINFEKTION zu informieren für den Einsatz in Heimen, Schulen, Kindergärten, Großküchen und Lebensmittel verarbeitenden Betrieben.
1. Anwendungsbereiche:
Die SONETT FLÄCHENDESINFEKTION ist eine gebrauchsfertige Lösung, die im Sprüh- oder Wischverfahren eingesetzt werden kann. Ihr Einsatzbereich sind Arbeitsflächen und Geräte im Sanitärbereich, Großküche und Lebensmittel verarbeitende Betriebe.
2. Zusammensetzung:
Wirkstoff: Pflanzlicher Alkohol (Ethanol) 70%, ätherische Öle aus Salbei* und Lavendel*(enthält Linalool*), gewirbeltes Wasser ad 100% [* = aus kontrolliert biologischem Anbau]
3. Wirkungsspektrum:
Gemäß den europäischen Normen EN 1276, EN 1650, EN13697, wirksam gegen Bakterien, Hefen und Pilze
Gemäß Vakziniavirus Gutachten und BVDV Gutachten vom 4.11.2009 wirksam gegen alle behüllten Viren (Auslobung „begrenzt viruzid“). Dies beinhaltet die Wirksamkeit gegen HBV, HCV, HIV, Herpes Simplex sowie alle humanen und animalischen Influenzaviren einschließlich H5N1, H1N1.
SONETT OHG, November 2009 (Abbildungen: Sonett)

Selbstverständlich ist dieses (oder ähnliche Produkte) auch eine prima Maßnahme für den Privat-Haushalt, damit wir bei uns und unseren Kindern weniger Allergien züchten durch fragwürdige antibiotika-ähnliche Desinfektionsstoffe wie Triclosan und die Resistenzen der Mikroben nicht unnötig fördern.
Wie Thomas im MRSA-Beitrag anmerkte: Natürlich sollten wir kein Ende der Antibiotika ausrufen, sondern diese nur noch einsetzen (dürfen), wo sie wirklich nötig sind. Alles andere, vor allem die Reinigung und Vorsorge, kann bestens mit ätherischen Ölen erfolgen. Dafür hat die Natur sie geschaffen, wenn auch 'nur' zur Gesundheitspflege der sie produzierenden Pflanzen. Als seit Jahrtausenden 'pflanzenfressende' Wesen hat der menschliche Körper diese nützlichen Moleküle jedoch bestens einzusetzen gelernt.

PS zum Kommentar von Anonym: Leider ist das Zeug keine Geldverschwendung, wenn es um die Arbeit an öffentlichen Pflege-Institutionen geht. Die benötigen aus haftungsrechtlichen Gründen bestimmte genormte Nachweise. Und diese Tests mit samt den Stempeln und Zertifikaten kosten leider viel Geld. Natürlich mische ich mir zu Hause meine ähnlichen Mittelchen selbst oder nehme Grapefruitkernextrakt für Desinfektionszwecke, aber Privatverwendung darf nicht mit dem Einsatz in Institutionen verwechselt werden. Und in diesen sind die kranken Menschen oft schier unzumutbaren Hygienevorschriften ausgesetzt, und den daraus folgenden üblen Gerüchen, die der Seele nicht gut tun.

Freitag, 22. Januar 2010

Ätherische Öle bei MRSA


Ein Kieler Mediziner, PD Dr. Dr. Patrick Warnke, der mit australischen Kollegen zusammen arbeitet, hat mehrere Fallberichte veröffentlicht, in denen aufgezeigt wurde, dass eine von ihnen entwickelte und standardisierte Ätherisch-Öl-Mischung aus Lemongras, Eukalyptus, Teebaum, Gewürznelke und Thymian (ich berichtete hier über seine Rezepturen). Wer englisch kann, findet hier die Studie samt Kritikpunkten und Antworten der Autoren zur Kritik zum kostenlosen Herunterladen. In einem Zeitungsartikel im Guardian findet man eine leichter zu verstehende Zusammenfassung. In einer neuen Veröffentlichung plädiert Prof. Warnke dafür, dass ätherische Öle die neue Medizin gegen schwer oder nicht bekämpfbare Erreger werden müssen [Warnke PH, Becker ST, Podschun R, Sivananthan S, Springer IN, Russo PA, Wiltfang J, Fickenscher H, Sherry E. (2009). The battle against multi-resistant strains: Renaissance of antimicrobial essential oils as a promising force to fight hospital-acquired infections. Journal of craniomaxillofacial surgery, 37(7), 392-397]. Der Autor des sehr informativen Aromatherapie-Blogs der amerikanischen Firma Floracopeia ruft für das Jahr 2010 sogar das Ende der Ära der Antibiotika aus.
Eigentlich liegt es so sehr auf der Hand:  Seit den späten Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts haben wir mit immer besser werdenden Labormöglichkeiten und Darstellungsapparaturen mehr als genug nachweisen können, wie zuverlässig ätherische Öle die meisten Mikroorganismen reduzieren oder gar abtöten können. Man braucht also wirklich nicht daran zu glauben, sondern einfach einige der zahlreichen Studien (sicherlich nicht nur hunderte, sondern wesentlich mehr an der Zahl) zu konsultieren. Und einen Arzt oder Apotheker finden, der einen im Falle einer Infektion entsprechend zu unterstützen zu bereit ist. Auch wenn Studien nicht die ganze Wahrheit über Naturheilmittel beinhalten, hilft vielleicht das Ausdrucken eines solchen Papieres und es dem Mediziner zu überreichen. Das Foto zeigt eine Manuka-Blüte im Juni (Leptospermum scoparium), die Blätter dieses Strauches werden zu einem der hoffnungsvollsten ätherischen Öle destilliert, was schwer zu bekämpfende Keime betrifft.

PS Kurse und Vorträge in Deutschland stehen auf der Homepage meiner Website, die neuartige Profi-Ausbildung wird in Bad Camberg im Taunus (an der A3 zwischen Limburg und Frankfurt) stattfinden, die Termine werden demnächst bekannt gegeben. Sie wird in unabhängig zu buchenden Unterrichtseinheiten stattfinden, so dass man diese mit Themenschwerpunkten wie 'Ätherische Öle bei Demenzerkrankungen' oder 'Aromatherapie in der Palliativpflege' einzeln buchen kann.

Montag, 4. Januar 2010

Aromatogramm - reproduzierbarer Nachweis



Beim Durchforsten meines Fotoarchivs begegnete ich heute mal wieder diesen schaurig-schönen Motiven. Sie zeigen Aromatogramme, mit denen überprüft wird, wie stark ein ätherisches Öl gegen bestimmte Mikroorganismen (Pilze und bestimmte aerobe [luftliebende] Bakterien wirkt. In einem meiner Kurse hatten wir die Gelegenheit, diese Wirkweise von zwei ätherischen Ölen und einer Ätherisch-Öl-Mischung mit eigen Augen zu sehen. Auf dem oberen Bild kann man ganz gut erkennen, was die entsprechende Öle bei einer Staphylokokkus-aureus-Kultur, angerichtet haben: Die dunkle Fläche rund um das mit den jeweiligen Ölen löschpapierartige Plättchen besteht aus toten Mikroben. Dieser "Hof" wird von den Mikrobiologen in Millimeter gemessen und mit +++ markiert. Je größer dieser ist, desto mehr Kreuzchen bekommt das Öl, weil desto stärker antibakteriell wirkt es.
Dieser Test ist wissenschaftlich anerkannt, da er auch bei der Überprüfung von Antibiotika eingesetzt wird (Antibiogramm). Er erfüllt die geforderten Kriterien nach Reproduzierbarkeit, vorausgesetzt, es werden immer die selben Öle, dh derselben Firma und möglichst sogar derselben Charge verwendet.

 

Zurück zu den Fotos: Kunzea ericoides (Kanuka) zeigt eine nicht allzu große Effektivität gegen diesen speziellen Stamm des Staph. aureus (ganz oben) und richten rein gar nichts gegen Escherichia coli aus (Mitte). Lavandula angustifolia (Lavendel) wirkt deutlich stärker - zumindest gegen Staph aureus, nicht so doll wirkt es gegen E. coli. Der große "Bakterienfriedhof" befindet sich beide Male bei einer Öle-Mischung namens "Quarkmischung". Sie wird in einer Münchener Klinik mit Quark vermischt bei bestimmten Entzündungen wie Venenentzündungen, als Auflage eingesetzt. Sie besteht aus Lavandula agustifolia, Thymus vulgaris Ct. Linalool und Thymol (zwei Thymiantypen).
HeilpraktikerInnen und Ärzte könnten also Abstriche von Körpersekreten an ein Labor schicken und feststellen lassen, welche Öle dem individuellen Patienten in aktuellen Krankheitsfall helfen würden. Freilich zählen beim Ergebnis nicht unbedingt Duftvorlieben der/des Patienten, es geht ja nicht um Wohlfühlaromatherapie, sondern man möchte Keime bekämpfen, gegen die beispielsweise Antibiotika machtlos sind. In Süddeutschland bekommt man Infos zum Aromatogramm in der Olympia Apotheke in Karlsruhe, beim Hessischen Ärzteverband kann man Unterlagen von Inhaberin Apothekerin Dorothea Hamm kostenlos runterladen. Mehr im Norden kann das Labor Hauss in Eckernförde weiter helfen.
Hier kann nochmals in meinem Text von Ende April 2009 nachgelesen werden, wie die (seinerzeit) Schülerin Ute Runkel mit Hilfe von hunderten von Aromatogrammen nachweisen konnte, dass ätherische Öle wirkungslose Antibiotika "wieder wecken" können. Ute hat übrigens inzwischen ihr Studium beendet und hat vor zwei Wochen geheiratet; sie heißt nun Stumpf mit Nachnamen, herzlichen Glückwunsch und viel Glück im weiteren Leben zu zweit!

Sonntag, 27. Dezember 2009

Heilpflanze 2010: Gewürznelke



Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim (genannt Paracelsus) hat das bei uns gut etablierte Gewürz aus der Familie der Myrtengewächse mit dem Zungenbrechernamen Syzygium aromaticum (L.) Merr & Perry zur Heilpflanze des Jahres 2010 gekürt. Somit werden nun auch mal ihre medizinischen Eigenschaften ins Bewusstsein gerückt, die bislang hauptsächlich Zahnärzte zu würdigen wussten. Darum ist der Duft dieser exotischen Blütenknospen in unseren Breiten leider auch oft negativ besetzt. Es wird also Zeit, andere ihrer Tugenden kennen zu lernen.
Der aus dem griechischen stammende wissenschaftliche "Vorname" bezieht sich auf die Worte syn (zusammen) und zygon (Joch), damit beschreiben Botaniker die haubenartig-spitz zusammengewachsenen Blütenblätter, siehe Zeichnung unten, Detail ganz links oben. Der deutsche Name Nelke kommt von Nagel, da die getrockneten Blütenknospen an Nägel erinnern. Mehr zu den Namen dieses faszinierenden Baumes, der von den Molukken stammt, auf den tollen Gewürzseiten von Gernold Katzer.
Der einstige wissenschaftliche Name Eugenia erzählt von der traditionellen Anwendung der leicht angetrockneten Blütenknospen des großen Baumes aus den Molukken. Eu kommt von „gut, wohl“ und die Wortfamilie genia/genus umfasst Wörter wie Gattung, Geschlecht, Geburt und Erbinformation. Das Menschengeschlecht kann nur fortbestehen, wenn es gute Geburten gibt, diese fördert bis heute das ätherische Öl der Gewürznelke. Ein anderer alter Name ist: Caryophyllus aromaticus.



Der ganze Baum ist aromatisch bis zu den Wurzelspitzen. Im deutschsprachigen Handel befinden sich meistens 'nur' zwei leicht unterschiedliche Öle: aus den Nelkenknospen und aus den Blättern. Haupt-Exporteur ist heutzutage Sansibar, die Insel hat sich auf die Produktion des weltweit verwendetetn Gewürzes spezialisiert.
Nelkenknospenöl (meine folgenden Infos und Rezepte beziehen sich darauf) duftet durch einen Anteil von bis zu einem Viertel an aromatischen Estern (u. a. Eugenylactetat) besonders fein und blumig. Nelkenblätteröl duftet etwas stechender, ist auch preiswerter, jedoch weniger gut verträglich. Sowohl Knospen- als auch Blätteröl wirken durch einen hohen Gehalt des Phenols Eugenol (bis 90%) stark antibakteriell, jedoch auch stark hautreizend, deshalb ist es wichtig, auf eine starke Verdünnung achten. Der Anteil an β-Caryophyllen kann beim beim Knospenöl circa 15 Prozent ausmachen, dieses Sesquiterpen verleiht dem Öl entzündungshemmende und antiallergische Eigenschaften, es hilft, ein aus den Fugen geratenes Immunssystem zu regulieren. Viele Insekten mögen diesen Duft gar nicht und werden in die Flucht getrieben, so dass Nelkenöl zu den insektifugen Mitteln zählt, traditionell spikt der Metzger damit Zitronen um Fliegen zu vertreiben.
Die Ergiebigkeit bei der Destillation der Nelkenknospen ist ungewöhnlich hoch (15-18%),  aus circa 50 kg erhält man circa 1 Liter Öl (aus den Blättern kann man circa 2 Prozent destillieren). Dennoch wird es oft mit dem billigeren Blätter- oder Stieleöl verschnitten. Synthetisches Eugenol und Isoeugenol ist laut Maria Lis-Balchin, einer bekannte britische Aromaforscherin, zu teuer, um damit zu fälschen und zu strecken.
Bekannt ist die Anwendung dieser fast pfeffrig duftenden Öle in der Zahnheilkunde, da sie – nicht nur – im Mund sehr anästhetisch wirken. Nelkenknospenöl wirkt stark schmerzlindernd und erwärmend bei rheumatischen Schmerzen und verhärteter Muskulatur. Auch bei Bronchitis, Fieber, Erkältung und Halsschmerzen und vor allen Dingen bei Mandelentzündungen wird es gerne verwendet. In selbst hergestellten Mundwässern wird der Duft/Geschmack, der gleichzeitig Bakterien reduziert, geschätzt.
Nelkenknospen- und Nelkenblätteröl wirken anregend und stärkend auf die Gebärmuttermuskulatur. Darum dürfen beide Öle in der Schwangerschaft nur in Ausnahmefällen und unter fachlicher Anleitung verwendet werden. In Aromatherapie erfahrene Hebammen nutzen diese Wirkung jedoch gerne zur Einleitung einer verzögerten Geburt - als Gewürznelkentampons und/oder in einem 'Wehencocktail'. Bei vielen Geburten gibt es den Zeitpunkt, wo Gebärende für diesen schmerzhemmenden Kick und die damit verbundene seelische Unterstützung wirklich dankbar sind.
Ätherische Gewürznelkenöle müssen immer stark verdünnt angewendet werden, da sie stark haut- und schleimhautreizend sind und sollten streng genommen nur von gut geschulten oder zumindest in Aromatherapie erfahrenen Menschen verwendet werden.
Gewürznelkenöl ist ein generell kräftigendes und stimulierendes Öl, das bei physischer und psychischer Erschöpfung sehr gut einsetzbar ist.
Rezept für eine Grundmischung zur Prophylaxe von Heuschnupfenbeschwerden, ab sofort anzuwenden, damit im Frühling die Tränen-schnief-Saison besser überstanden wird (auch für Kinder ab 3 Jahre, dann Ätherisch-Öl-Anteil halbieren):
  • 4 ml  (80 Tropfen) Cedrus atlantica oder C. deodara, Atlaszeder oder Himalajazeder
  • 4 ml  (80 Tropfen) Cupressus sempervirens, Zypresse
  • 1 ml (20 Tropfen) Citrus limon, Zitronenschale
  • 0,5 ml (10 Tropfen) Myrtus communis Ct. alpha-Pinen, Myrte Anden
  • 0,5 ml (10 Tropfen) Syzygium aromaticum, Gewürznelke
Gut in 10-ml-Braunglasfläschchen mischen. Von dieser Grundmischung jeden oder jeden zweiten Tag ein wenig in unterchiedlichen Anwendungen verwenden: 5 Tr. in der Duftlampe, zwei bis drei Tropfen auf feuchtem Handtuch auf der Heizung, 6 bis 8 Tropfen in etwas Honig oder Sahne (Obers) vermischt in der Badewanne, 30 Tr. in 50 ml Wodka als Raumspray oder Decolleté-Spray (indirekt in die Nähe von Kragen, Schal etc sprühen), 5 Tropfen in etwas Honig oder Sahne (Obers) vermischt in 5 l Fußbad, 5 Tr. in 10 ml Jojobaöl auf Pulsgegend am Handgelenk.
Ganz vereinzelt findet man übrigens ein Absolue der Gartennelke auf dem Markt, meistens jedoch sind Nelkendüfte synthetischer Herkunft.
Wie ich kürzlich hier berichtete, spricht der Bestandteil Eugenol Sensoren im menschlichen Darm an, so dass vermehrt der "Happylizer" Serotonin ausgeschieden wird. Ist doch eine tolle Erfindung, in der dunklen Jahreszeit Gebäck und auch herzhafte Gerichte (zB Rotkohl, Braten) mit dem Nelkengewürz abzuschmecken, so dass die Stimmung steigt.



PS Viele (der ausgezeichneten circa 400) Botanik-Zeichnungen findet ihr im Köhler's Atlas der Medizinal-Pflanzen und auch auf der Seite von Thomas Schöpke. Da sie so alt sind (1887 erschienen), dass sie ohne Copyright belegt sind, könnt ihr sie zur Illustration eurer Unterlagen verwenden. Zeichnung: Köhler's Atlas der Medizinal-Pflanzen

Sonntag, 18. Oktober 2009

Freie Nase mit Menthol & Co.


In der Erkältungs- und Grippezeit kann man sich etwas in der Apotheke kaufen...


oder auch ein Vlies selbst beduften und sich somit einen selbst zusammenzusteckenden Tascheninhalator bauen. Auch bei Kopfschmerzen ist er sehr zu empfehlen, wie im letzten Post als 'Nasentampon' empfohlen.


Ich werde immer wieder verunsichert gefragt, ob man 1- oder 2-prozentig dosieren darf, ob das nicht zu viel ist. Dann schaut doch mal auf die Mengenangaben der führenden Marken für entsprechende Produkte, da schlackern einem die Ohren! Diese Produkte sind ohne Rezept erhält - hier in Irland in fast jedem Tante-Emma-Ladne oder Supermarkt - und sind sicherlich bestens durchgetestet (sonst hätten die Firmen mehr mit Schadenersatzprozessen zu als sich mit Neuentwicklungen zu beschäftigen). Im bekannten Inhalator befinden sich laut Deklarierung:
  • 125mg Menthol
  • 50mg Kampfer
  • 10mg Sibirische Fichtennadel
  • und Methylsalicylat (wie viel???)


In der bekannten Brustsalbe sind neben einer Grundlage aus Paraffin enthalten:
  • 2,75% l-Menthol
  • 5% Kampfer
  • 1,5% Eukalyptusöl
  • 5% Terpentinöl (das Harz von Nadelbäumen, meistens Meerkiefer)
  • ferner Thymol (Hauptwirkstoff aus Thymian Ct. Thymol und Ct. Carvacrol aber auch in Spuren in Mandarinenöl enthalten), Muskatnussöl (huch, warum, enthält doch das angeblich giftige Safrol, weswegen Zimtblätteröl kürzlich mit Restiktionen belegt wurde und Zedernöl (welches?)
Bei diesen Prozentangaben (eine gut 14%-ige Einreibung) sollte jeder Zweifel verschwinden, was die üblicherweise empfohlene Dosierung von maximal 3 Prozent für eine seriöse Aromatherapie anbelangt.


Dieses bekannte Produkt enthält:
  • 18,5% Cajeputöl
  • 0,1% Gewürznelkenöl
  • 35,45% Eukalyptusöl
  • 2,7% Wacholderöl
  • 4,1% l-Menthol
  • 3,7% Wintergrünöl (also bitte keine Angst mehr vor diesem wundervollen Schmerzlöser!)
  • 35,45% Minze (welche?) mit teilweise entferntem Menthol (das lässt auf Ackerminze, Mentha arvensis, schließen, sie enthält extrem viel Menthol und ist schön preiswert)
Das ist natürlich eine so genannte Grundmischung, von der man einige Tropfen inhaliert oder mit Öl vermischt.

PS Die Inhalatoren hat mir meine Kollegin Soham Topham aus England mitgebracht, Infos bei ihr.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Immer schön Händchen waschen



Nach einem langen Rückflugtag mit vielen Stunden Aufenthalt auf einem Londoner Flughafen konnte ich in aller Ausführlichkeit studieren, dass und wie man in Zeiten einer angeblichen Pandemie seine Hände wäscht und desinfiziert. Ich finde es kurios, dass man mit einem Hinweiszettel über den Waschbecken als Erwachsener aufgefordert wird, seinen Händen eine Nach-dem-Geschäft-Wäsche zu gönnen. In so ziemlich jedem Laden wird das eine oder andere Desinfektionsgel oder -Spray zum Verkauf angeboten. Mit und ohne Alkohol, mit und ohne Triclosan, für Kinder oder Erwachsene. An den Badausgängen kann man sich aber auch an roten Desinfektionsschaum-Spendern bedienen.


Oder wie man macht es wie ich und packt sich das wunderbar duftende Handspray von Farfalla in der erlaubten Handgepäckgröße von 50 ml ein. Es ist auf Alkoholbasis hergestellt und enthält unter anderem die antiviral wirksamen ätherischen Öle von Cistrose, Thymian und Ravintsara.

Sonntag, 27. September 2009

Mastix, das 'grüne' Harz


Heute erläutere ich euch aromatisches schmückendes Blattgrün in herbstlichen Blumensträußen. Denn kaum jemand ist sich dessen bewusst, dass es sich bei diesen Blättern mit den eigentümlich 'plattgedrückten' Stielen um eine Duft- und Räucherpflanze handelt, welche seit biblischen Zeiten bekannt ist. Deren Harz liefert das kostbare, grün-frisch-herb duftende Mastix- oder Pistacheöl. Sie heißt Pistacia lentiscus und ist mit den leckeren Knabber-Pistazien verwandt.
Diese hübschen Sträucher wachsen rund um das Mittelmehr, die Blätter und noch mehr das Harz wirken sehr adstringierend (zusammenziehend), wenn man sie kaut. Im ländlichen Griechenland wird das Harz wie Kaugummi gekaut, es regeneriert und desinfiziert wundes Zahnfleisch und erfrischt den Atem. Es wird auch als Abdichtungsmittel für Weinfässer eingesetzt und gibt so dem griechischen Retsina seinen unverwechselbaren Charakter (Retsina bedeutet Harz/Geharzter). Schauspieler kennen das Harz als Klebstoff für künstliche Bärte (Dank an Peter und Helge), auch für viele andere technische Zwecke wird es eingesetzt.





In pharmakologischen Untersuchungen konnte ein Schutz vor Magengeschwüren gezeigt werden, vermutlich durch eine Reduzierung der Produktion von Magensäure und einen ergänzenden Puffereffekt. Aber auch eine Wirkung gegen den 'Magenschreck' Helicobacter pylori, der sogar für Magenkarzinome verantwortlich sein könnte, wird diskutiert. In entsprechenden Tests führte eine Mastix-Konzentration von 125 µg/ml zu einer 50-prozentigen und 500 µg/ml zu einer 90prozentigen Vernichtung des Magenkeims.
Desweiteren wurde - wie bei vielen monoterpenreichen ätherischen Ölen auch - eine antiarteriosklerotische Eigenschaft gefunden, diese wird mit verminderten Oxidationswerten des 'bösen' Cholesterin LDL erklärt. In einer kleinen randomisierten Doppelblindstudie mit 20 Teilnehmern wurde das Kauen eines Mastix-haltigen Kaugummis und die Entwicklung von Zahnplaque untersucht. Durch vierstündiges Kauen dieses Kaugummis reduzierte sich die Menge der plaqueverursachenden Bakterien signifikant. Untersuchungen an isolierten Bakterienkulturen belegen nicht nur eine bakteriostatische Wirkung bei Helicobacter pylori sondern auch bei Staphylococcus aureus, Lactobacillus plantarum, Pseudomonas fragi und Salmonella enteridis Quelle: Heike Lück-Knobloch.
Das ätherische Öl, das nach senkrechtem Anritzen der Rinde des 3 bis 4 Meter hohen Strauches aus dem austretenden Harz destilliert wird, enthält bis zu 50 Prozent Monoterpene, welche für die schmerzlindernde und entzündungshemmende und kortisonähnliche Wirkung verantwortlich sind:
  • 6,5–20 % alpha-Pinen
  • 7-10% Limonen
  • 4–15 % beta-Myrcen
  • 1,5–15 % Sabinen
  • 0,2–0,8 % delta-Caren
Dazu Spuren von Sesquiterpenen sowie Sesquiterpenolen und folgende Monoterpenole und Monoterpenester:
  • 33-44% Terpineol-4 (antibakteriell und aquaretisch wirksam)
  • 7-10% Bornylacetat (entkrampfend wirksam)
In meinem Fachbuch habe ich folgende Indikationen aufgeführt:
  • Varizen, Hämorrhoiden
  • Thrombophlebitis
  • Prostatitis
  • Sinusitis
  • spastische Kolitis
  • Ulcus ventriculi
Ich wende dieses recht teure, sehr milde und schleimhautverträgliche ätherische Öl fast ausschließlich für Salben und Zäpfchen gegen Beschwerden durch schmerzende Hämorriden an. Die zusammenziehende und entzündungshemmende Wirkung entfaltet sich bereits bei ganz hohen Verdünnungen von ein bis zwei Prozent. Schwangere sind für diese Hilfe oft sehr dankbar. In Frankreich werden Männer mit Problemen der Vorsteherdrüse mit entsprechenden Zäpfchen versorgt. Die magenschützende Wirkung wird im englischsprachigen Bereich durch einzunehmende Kapseln mit dem Harz erreicht.
In frisch-herbe Rasierwässer oder Eau de Colognes kann man mit Spuren dieses Duftes eine fein-herb-grüne Komponente zaubern. Ideal mit Zitrusdüften und Zedernholzöl.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Die Bausteine der ätherischen Öle


Ich bin von meiner ersten Sommerreise zurück und bereite mich auf die nächste vor: Wir werden mit den TeilnehmerInnen des einen Kurses zu einem Destillationsseminar fahren, das ich auch noch nicht kenne. Es wird von Herrn Lindemann geleitet, dem Gründer und Inhaber der Ätherische-Öle-Firma Maienfelser und eben dort stattfinden. Ich bin jetzt schon gespannt und ich werde mich den ganzen Tag von neuen Eindrücken und sicherlich auch von vielen neuen Düften inspirieren lassen dürfen.
Anschließend werde ich in der Nähe von München einen Tag über die faszinierenden Inhaltsstoffe der ätherischen Öle erzählen. Das ist mein Lieblingskurs: Den reserviert abwartenden TeilnehmerInnen die vermeintlich so komplizierte Chemie der Düfte in Grundzügen beizubringen. Und am Abend zu sehen, wie die Aaaaahs und Oooohs die Gesichter zum Strahlen bringen, denn es hat gar nicht weh getan. Dieser Kurs ist immer ganz interaktiv (Foto oben: wir stellen ein Benzolring - sechs Kohlenstoffatome mit je vier Bindungsmöglichkeiten und mit drei Doppelbindungen an den Füßen) und lustig gestaltet und dennoch bekommen alle einen Eindruck davon, wie faszinierend die Natur der kleinen Duftmoleküle ist. Und warum sie überhaupt wirken können. Die grundlegenden Wirkungsmechanismen der Aromatherapie sind:
  • Die kleinen Bausteine der ätherischen Öle sind fettlöslich (lipophil). Nur so können sie zunächst durch die fettartigen Strukturen der Hautorgane in den Körper eindringen: Öffnungen der Talgdrüsen und Öffnungen der Schweißdrüsen. Sie können an fast jede Zelle unseres Körpers andocken, da die Zellmembranen (Hüllen) aus einer (fettähnlichen) Lipidschicht bestehen.
  • Ätherische Öle können in Mensch und Tier nur wirken, weil die Moleküle, aus denen sie bestehen, winzig klein sind. Nur so können sie in die Haut und Schleimhäute eindringen und dann im Inneren des Körpers ihre wohltuende Wirkung entfalten (Modell unten: das Ethanmolekül ist winzig klein, es besteht nur aus zwei Kohlenstoffatomen mit je vier Bindungsmöglichkeiten).

  • Viele Moleküle, aus denen ätherische Öle bestehen, sind in ihrer Struktur ganz ähnlich wie Moleküle, mit denen der Körper Informationen verarbeitet: entzündungshemmende Stoffe, Neurotransmitter ("Gehirn-Informations-Hormone"), Geschlechtshormone etc. Die Duftmoleküle können somit Rezeptoren ("Empfangsstationen") an den Zellmembranen besetzen und ähnlich wie unsere Körperstoffe wirken und sie somit unterstützen oder fast ein bisschen ersetzen, wenn Mangel herrscht (Modell: ein Monoterpen besteht aus zehn Vierer-Bausteinen, also Kohlenstoffatomen mit je vier Bindungsmöglichkeiten).
  • Viele Moleküle, aus denen ätherische Öle bestehen, können beispielsweise Kalziumkanäle an unseren Zellmembranen beeinflussen. Diese wirken ein wenig wie "Steckdosen" für die Informationsverarbeitung und wenn der "Stecker" im ätherischen Öl dort andockt, können beispielsweise schmerzhafte Spannungszustände gelöst werden. Das Beispiel Pfefferminzöl ist diesbezüglich inzwischen gut untersucht, so dass man diesem Öl den zungenbrecherischen Fachterminus "Kalziumantagonist vom Dihydropyridin-Typ" gibt. Pfefferminzöl wird darum nicht nur bei schmerzhaften Zuständen des Colon irritabile (Reizdarm) innerlich verschrieben, sondern auch bei Darmspiegelungen eingesetzt, damit das angespannte und enge Organ die oft schmerzhafte Prozedur leichter über sich ergehen lassen kann.
  • Ätherische Öle bestehen aus Molekülen, die dem Organismus des Menschen seit Jahrmillionen vertraut sind. Und genau so lange können sie Zellstrukuren von Bakterien angreifen, Strukturen, die unsere Zellen nicht besitzen. So dass sie für uns ausgezeichnet verträglich sind, für viele Mikroorganismen aber nicht.
  • Ätherische Öle bestehen aus Molekülen, die untereinander agieren können. Das hat den Nachteil, dass die Öle nicht ewig halten bzw. dass manche Öle bereits nach einem Jahr (nach dem Öffnen der Flasche) nicht mehr so hautverträglich sind wie direkt nach der Destillation. Doch der überaus wertvolle Vorteil ist, dass Bakterien sich gar nicht oder nur unter ganz großen Mühen, gegen die "antibiotische" Wirkung vieler ätherischen Öle resistent machen können (Modell unten: Benzen, ein spezieller Sechserring aus Kohlenstoffatomen). Denn die dufte Medizin verändert ihre chemische Zusammensetzung täglich, stündlich, minütlich, natürlich nur im Mikrobereich. Für uns kaum bemerkbar, für die kleinen Plagegeister dagegen erheblich. So dass sie kaum Zeit und Gelegenheit finden, abwehrende Enzyme aufzubauen. Und eben nicht resistent werden können.
Ist das nicht faszinierend? Ich kann mich nicht satt lesen an solchen spannenden Infos über die Chemie der ätherischen Öle! Ich habe mir das Thema einst mit Legosteinen erschlossen und benütze diese verständlichen "Bilder" auch, um die legoartige Welt der Chemie verständlich zu machen. Meine Vorträge zum Thema werden sogar mit einem Duftchemie-Rap zum besseren Merken abgerundet. Mehr dazu am 11. Juli 2009 im wunderschönen Raisting am Ammersee nahe München, Infos und Anmeldung bei Neumond.

Dienstag, 23. Juni 2009

Manukabaum



Da nach der Größe des Manukastrauches gefragt wurde: In seiner Heimat wird er ein kleiner Baum, so zwischen 6 und 8 Metern hoch. Auf dem Archivfoto "unserer" Garteninsel Garinish Island hier in Glengarriff kann man eine Größenvorstellung bekommen. So sieht es dort momentan aus. Als ich Ende Mai dort war, blühten die Manukas noch nicht mal ansatzweise, was sie sonst um diese Zeit tun. Alles pink-farbene auf dem Foto und auch die weißen "Wolken" links hinter und oberhalb der Sträucher ist Leptospermum. Vorne rechts im Bild sieht man auch noch die Spitze eines struppigen Manukazweiges. Seine Rinde sieht so aus (die Signatur für die Anwendung auf rauer, gestresster Haut?):


Der eigentümlich klingende Name kommt von leptos=schmal/winzig und spermum=Same. Die Samen sind, ähnlich wie die des Eukalyptus, nur winzige "Fussel", die sich in einer glöckchenartigen kleinen Kapsel (5 mm) befinden 


Scoparium erinnert an den wissenschaftlichen Namen des Besenginsters (Spartium scoparium), dessen struppiges, besenartiges Aussehen der Manukabaum auch aufweist. Hier noch ein Bild des Baumes, den man außerhalb der Blütesaison nicht eines Blickes würdigen würde, man sieht das struppig-grüne Gebilde kaum.

Montag, 22. Juni 2009

Manuka in voller Blüte


Unsere drei Manukasträucher (Leptospermum scoparium) blühen dieses Jahr fast einen Monat später als sonst.


Die grell zyklam-rot-pink-farbenen Blüten sind schwierig zu fotografieren. Im unsonnigen Tageslicht werden sie ganz flau, bei Sonne ist das Pink fast immer hoffnungslos überbelichtet (mit drei Kameras ausprobiert) und wie hier gerade eben in der Abendsonne wird alles zu gelblich.


Der weiße Strauch macht es Fotografen einfacher! Da ich schon viel über Manuka geschrieben habe, lest bitte hier nach und schaut euch unbedingt das Video an, in dem ein deutscher Wissenschaftler erklärt, wie beim Manukahonig die einzigartige antibiotische Wirkung zustande kommt.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Piment - eine Probedestillation


In eine 35-Liter-Destille wurden 2 Kilo Piment gegeben, die pfefferartigen würzigen Kügelchen wurden vorher in einer elektrischen Kaffeemühle grob zerkleinert. Der zylindrische Teil war gut zur Hälfte gefüllt, ich schätze, insgesamt hätten 4 Kilo des Gewürzes gepasst. Der Großhändler hat 34,22 Euro für die zwei Kilo erhalten. Im Laden zahlen wir hier in Irland je nach Marke circa 2,50 Euro für 20 Gramm des fein gemahlenen Lebkuchengewürzes.
Wir haben uns für Nelkenpfeffer [Pimenta dioica (L.) Merr.] entschieden, weil der Ertrag mit gut 3 Prozent als recht hoch angegeben wird und der Preis einigermaßen erschwinglich. Im Vergleich:
  • bei Rosenöl beträgt die Ausbeute circa 0,02 Prozent
  • bei blauer Kamille 0,2-1 Prozent
  • bei Lavendel 0,5-1,5 Prozent
  • bei Rosmarin 1-2 Prozent
  • bei Atlaszedernholz 2,5-5 Prozent
Selten ergibt eine Pflanze mehr als 2 Prozent ätherisches Öl, eher unter einem Prozent. Die große Ausnahme ist die Gewürznelke, aus ihr kann man unter guten Bedingungen fast 20 Prozent ätherisches Öl destillieren.
Auf dem Foto dichte ich die Destille ganz altertümlich mit einer Pampe aus Roggenmehl ab (hält vorzüglich!) und unser Schwitzhüttenmeister Uwe füllt kaltes Wasser in den Kühler.


Auf dem Hydrolat schwimmt das ätherische Öl, sie müssen mit Hilfe eines Scheidetrichters voneinander getrennt werden, diese Prozedur kann einige Tage dauern.


Das ätherische Pimentöl sinkt nach unten und kann langsam in einen Messzylinder laufen. Pimentöl ist recht zähflüssig, es enthält Spuren eines fetten Öles.


Die Ausbeute war erfreulich hoch: knapp 12 ml ätherisches Öl, dazu knapp 3 Liter Hydrolat! Diese Menge hat nun viel Arbeit, viel Wasser, Gas für knapp 3 Stunden plus 34,22 Euro gekostet.


Mit den Überresten der Piment"beeren"- immerhin eine prallvolle Stoffeinkaufstasche oder 35 gut gefüllte Suppenkellen voll -, die noch recht stark duften (hier trocknen sie vollends in der Sonne), werde ich zu klein gewordene bunte Socken füllen und diese gegen den muffigen Geruch in einem Garderoben- und Schuhschrank auslegen. Die horizontale Markierung auf dem 20-ml-Fläschchen zeigt die Füllhöhe des ätherischen Öles. Prozentangaben von Malle & Schmickl

Dienstag, 5. Mai 2009

Desinfektion mit Teebaumstäbchen


Die neuartigen Teebaumstäbchen von der australischen Thursday Plantation, über die ich kürzlich berichtete, sind endlich angekommen.


Eine unglaublich geniale Technik in einem Klickmäppchen aus stabilem Kunststoff -  hygienisch und transportsicher auch für Rucksäcke auf Weltreisen verpackt. 


Mit 3,80 Euro für 12 Stäbchen nicht billig aber sicherlich auch nicht teurer als viele chemische Mittel. 


Man knickt die grün markierte Sollbruchstelle einfach ab, die Flüssigkeit aus Teebaum, Aloe vera, Alkohol und (leider) Kosmetik- und Salben-Emulgator Propylengylcol läuft in die untere Hälfte und saugt sich in die Watte. Fertig!


Ich habe bislang vier Bestellungen vorliegen (Andrea R., Birgit L., Martina O. und Patricia N.), ich werde diese am Ende kommender Woche verschicken (da ich ab morgen für eine gute Woche kursmäßig unterwegs in der Botanik sein werde). Bitte mailt mir eure komplette Postadresse (meine Mailadresse steht hier rechts unten in der Spalte, bitte beim Abschreiben Abstände weg lassen und At-Zeichen (@) korrekt schreiben, das so zu schreiben ist eine Spamschutz-Maßnahme)

Mittwoch, 29. April 2009

Jugend forscht: ätherische Öle und Antibiotika

In jedem Ausbildungskurs und in fast jedem Vortrag erwähne ich die hoffungsvolle Untersuchung der (damals 17-jährigen) Abiturientin Ute Runkel. In einer interessanten Biologie-Facharbeit für „Jugend forscht “ stellte sie in 816 Labortests fest, dass ätherische Öle pathogene (krankmachende) Bakterien, denen Antibiotika nichts mehr antun können, abzutöten vermögen. Sie untersuchte - in einem anerkannten Labor in Karlsruhe - die Wirkung der ätherischen Öle von
  • Aniba rosaeodora (Rosenholz)
  • Lavandula angustifolia (Echter Lavendel)
  • Melaleuca alternifolia (Teebaum)
  • Melaleuca leucadendra (Cajeput)
  • Melaleuca viridiflora (Niaouli)
  • Pelargonium graveolens (Rosengeranie)
  • zwei Thymus vulgaris-Ölen (Thymian)
auf folgende Bakterienarten:
  • Enterococcus faecalis
  • Escherichia coli
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Staphylococcus aureus und
  • fünfzehn unterschiedliche MRSA-Kolonien (gegen starke Antibiotika resistente Staphylokokken-Bakterien).
Sie konnte feststellen, dass oft die Kombination aus (alleine wirkungslosem) Antibiotikum mit einem ätherischen Öl keimtötender wirkte als jede Substanz alleine genommen. Ute Runkel studierte inzwischen Angewandte Biogeographie mit den Hauptfächern Angewandte Biogeographie und Geobotanik sowie den Nebenfächern Bodenkunde und Physische Geographie. Sie bricht am kommenden Wochenende zum Endspurt nach Berkeley in Kalifornien auf, wo sie ihre Diplomarbeit fertig stellen wird (viel Erfolg und auch viel Spaß, Ute!). Ihre nützliche Jugend forscht-Arbeit kann man hier kostenlos runterladen und ihre hoch spannenden weltreisenden Aktivitäten samt tollen (auch botanischen) Fotoimpressionen aus ganz vielen Ländern sind auf ihrer Website zu verfolgen (mit E-Mail-Adresse, vielleicht für einen kleinen Dank nach dem Erhalt der Studienarbeit ???;-)

PS Dieser Link hat sich bei mir auch seltsam benommen, die Adresszeile verschwand dauernd aus dem Browserfeld, bis ich entnervt meinen Mann um Rat fragte und er verwundert fragte, was mein Problem sei, ich hätte die ZIP-Datei doch bereits dreimal auf meinem Desktop liegen! Sie muss dann nur durch Anklicken entkomprimiert werden und dann hoffe ich für die Grundeinstellungen eurer Computer, dass sie gut auffindbar abgelegt wird, bei mir wieder auf dem Desktop. Also wahrscheinlich habt ihr sie bereits ohne sie zu sehen!!!! Moderne Technik!

Montag, 30. März 2009

Thymian - vielfältiges Powerpaket

Nun bin ich wieder in einer normalen Web-Umgebung angekommen und auf der Zugfahrt hierher nach Zürich habe ich einen Text über dieses tolle Kraut vorbereitet (beim Kopieren der Word-Datei entsteht dann ein nicht zu beeinflussendes Layout), denn ein Topf mit Zitronenthymian gehörte zur Deko des vergangenen Seminares, das super gelaufen ist.

Manche Autoren sagen, das Wort Thymian habe Bezug zum griechischen Wort für Kraft und Mut, andere übersetzen es mit „ich bedufte, ich parfümiere“. Seit ich in den achtziger Jahren meine erste Felderfahrung mit der Ernte und der Destillation von duftendem Thymiankraut in der sengenden Hitze Süd-Frankreichs machte, finde ich, dass beide Erklärungen gut passen. Ich lernte, dass es nicht nur den bis damals einzig bekannten streng-medizinischen Geruch bei dieser unscheinbaren Pflanze gibt, sondern dass Thymianöl durchaus blumig-lieblich-fein duften kann.

Das Öl von Thymus vulgaris – dem gemeinen Thymian – wird aus (mindestens) sechs Chemotypen destilliert, also aus Thymianpflanzen mit sechs unterschiedlichen chemischen Leitsubstanzen. Das klassische, seit Jahrhunderten in der Medizin bekannte Thymianöl stammt aus Pflanzen in eher niedrigen Lagen und ist reich an Thymol und Carvacrol, das sind stark wirksame Monoterpen-Phenole (Moleküle aus 10 Kohlenstoffatomen, die sich innerhalb des Moleküls zu einer Sechserkette „verknoten“). Diese sind für fast jeden krank machenden Mikroorganismus fatal. Man nannte diese zwei streng duftenden Öle früher Thymian rot (Ct. Thymol) und Thymian schwarz (Ct. Carvacrol), da diese zwei Moleküle die Eisendestille angreifen und sich das Öl dann entsprechend verfärbt. Heute werden jedoch fast nur noch Edelstahldestillen bei der Produktion eingesetzt, so dass das Öl transparent-hellgelb ist.

Thymian Ct. Thymol enthält – je nach Lieferant – zwischen 35 und 55 Prozent Thymol und ist somit eines der besten Öle bei der Abwehr von Infektionen im HNO-Bereich und bei Pilzinfektionen, vor allem der Füße. Zudem ist es hilfreich bei Schmerzen von Gelenken und Muskeln. Da die Monoterpen-Phenole jedoch auch stark haut- und schleimhautreizend wirken, darf für den Hausgebrauch immer nur eine maximal 1%-ige Verdünnung auf die Haut aufgetragen werden

Die selteneren Thymianöle aus hohen und mittleren Lagen sind wesentlich kostenintensiver, eignen sich jedoch wegen ihres hohen Gehaltes an verschiedenen hautfreundlichen Monoterpenalkoholen Linalool, Thujanol-4 und Geraniol besser für die Selbstbehandlung.

Thymian Ct. Linalool findet man fast immer bei gut sortierten Ölefirmen, dieses fein duftende Öl beeinflusst den Atemtrakt positiv bei Erkältung, Husten, Bronchitis, Ohrenschmerzen und Stirnhöhlenentzündung – insbesondere bei Kindern.

Thymian Ct. Thujanol-4 ist schwer zu kultivieren und darum eher eine seltene und kostenintensive Rarität, die stark antiviral wirkt und insbesondere bei gynäkologischen Clamydien-Infektionen gute Erfolge zeigt.

Thymian Ct. Paracymen ist in der französischen Aromatherapie beliebt als starkes Mittel bei Gelenk- und Muskelschmerzen.

• Thymus mastichina L. enthält bis zu 75 Prozent 1,8-Cineol, duftet also eukalyptusartig-frisch. Da das Öl in seiner Heimat Spanien als mejorana bekannt ist, ist es im deutschsprachigen Bereich oft als (Wald-)Majoran zu finden, es setzt sich jedoch völlig anders als das Öl des echten Majoran (Origanum majorana) zusammen. Es ist ein ausgezeichnetes Anti-Erkältungsöl, das auch Kinder gut vertragen, da es weder stechend noch medizinisch riecht.

• Thymus serpyllum L. ist der in ganz Europa auch wild wachsende Quendel, sein Öl kann in Zusammensetzung und Duft sehr unterschiedlich ausfallen.

• Thymus zygis L. aus Spanien gilt gegenüber dem Thymian Ct. Thymol-Öl aus der Provence als nicht so hochwertig, seine bis zu 75 Prozent an hautreizendem Thymol machen die Anwendung für Laien schwierig. Diese Pflanze kann auch einen seltenen milden Linalool-Chemotyp hervor bringen.

• Thymus capitatus (L.) Hoff. et Link. (oder Coridothymus capitatus) wird auch Spanischer Oregano genannt, durch den Gehalt von bis zu 70 Prozent hautreizendem Carvacrol ist es nicht für den Hausgebrauch geeignet.

∆ Die phenolhaltigen Thymianöle sollten niemals unverdünnt auf der Haut verwendet werden und nicht dauerhaft bei sehr hohem Blutdruck im Einsatz sein.

Sonntag, 22. März 2009

Stark wie ein Stier


Was hat denn dieser Jüngling mit Aromatherapie zu tun? Sehr viel! Heute sprach er mit mir, denn ich jätete ein bisschen auf meiner Kräuterspirale und war wieder einmal erstaunt, wie knackig das Bohnenkraut noch aussieht, als wäre nie Winter gewesen. Dieses stark duftende Heil- und Würzkraut heißt Satureja im Gattungsnamen und hortensis oder montana im Artennamen, je nachdem ob es ein Gartenbohnenkraut ist oder ein Bergbohnenkraut. Es ist dem Satyr gewidmet. Sein ätherisches Öl ist in seiner antimikrobiellen Wirkung stark und kraftvoll. Es reguliert das Immunsystem. Und fördert die Durchblutung bei steifen und schmerzenden Gelenken. Und ihm werden aphrodisische Eigenschaften zugeschrieben.


Womit wir wieder beim Satyr wären, aber das lest ihr besser hier nach. In der klinischen Aromatherapie wird das Öl bei Pilzinfektionen verwendet, vor allem der Füße. Denn es ist durch seinen hohen Anteil am Phenol Carvacrol sehr hautreizend, wenn man es nicht korrekt verdünnt oder wenn man es auf Schleimhäuten verwendet. Auch als Fußbad bei nahenden Erkältungen ist es eine wertvolle Abwehrmaßnahme. Und 2 Tropfen in 50 ml Olivenöl sind eine gute Gewürzmischung für grüne Bohnen, man beträufelt diese, wenn sie fertig gegart sind, mit einigen Tropfen dieser Mixtur. Der knackige Satyr ist übrigens in der Glyptothek München zu bewundern.

Dienstag, 17. März 2009

Die beste Kräuteranwendung seit Erfindung des Teebeutels


Teebaumöl oxidiert bekanntlich extrem schnell. Für die Anwendung auf der Haut, vor allem bei Wunden, darf die angebrochene Flasche maximal ein halbes Jahr alt werden. Neuerdings geben einige Firmen eine dreimonatige Haltbarkeit an, damit sind sie auf der sicheren Seite.
Einer der Pioniere des Teebaum-Anbaus und dessen Vermarktung sind Christopher Dean und Eric White mit ihrer an einem Donnerstag gegründeten Firma Thursday Plantation in Süd-Ost-Australien (im oft überfluteten Bungawalbyn-Becken in New South Wales). Sie haben nun ein innovatives Produkt auf den Markt gebracht: das Aloe-Teebaum-getränkte Wattestäbchen für die Wundversorgung. Auch ideal für Insekten- und Schlangenbisse sowie bei Infektionen des Vaginalbereiches (das dürfen sie als Nicht-Pharmafirma nicht behaupten, das sage ich!). Die Ölmixtur läuft nach Abknicken der einen Spitze durch ein spezielles Kunststoffröhrchen in die andere watteumhüllte Spitze. Die Packung mit 12 Stäbchen kostet knapp 4 Euro, so dass eine Anwendung keine 50 Cent kostet. So eine Desinfektion mit gleichzeitig wundheilungsfördernder Wirkung ist zwar nicht billig, kann aber mit handelsüblichen Chemieprodukten mithalten.


Die Pioniere in dieser Firma - sie sind seit Ende des siebziger Jahres des vorigen Jahrhunderts mit der Kultivierung dieser australischen Urnatur-Wildpflanze befasst - haben zunächst den Anbau von Melaleuca alternifolia (Teebaum) intensiv studieren müssen, denn zunächst gestaltete sich die Vermehrung von Hand schwierig, obwohl dieser Baum ein dankbarer Wucherer ist - wenn alles rundherum stimmt. Er wurde sogar als Unkraut betrachtet und war bis dahin ein Opfer von zahlreichen Ausrottungsversuchen. Die interessante Geschichte der Neuentdeckung dieses "Wunderbaumes" und seiner vielfältigen Heilungseigenschaften kann hier (auf english) nachgelesen werden, dazu sieht man schöne Fotos des Baumes und der Farm sowie des Gründer-Ehepaares Lynda und Christopher Dean.
Mein Teebäumchen ist übrigens bereits fast so groß wie ich, also reichlich über anderthalb Meter und je braver ist ihn beschneide, desto dichter und schöner wächst er (ich war zunächst sehr zimperlich mit schneiden).

PS. Ich habe die "EMPFEHLUNGS-TASTE" aktiviert. Wenn Ihr einzelne Beiträge so interessant findet, dass Freunde und Kollegen davon erfahren dürfen-sollen-müssen, könnt Ihr auf den kleinen weißen Umschlag mit dem Pfeil unter dem jeweiligen Artikel klicken. Dann öffnet sich ein Fenster, in dem man die E-Mail-Adresse des Empfängers eingibt, man kann auch noch 300 begründende Grußzeichen dazuschreiben. Dann einfach auf "senden/abschicken" klicken.

Montag, 2. März 2009

Ätherische Öle für die Atemwege


Einige von euch berichten, dass sie Magenprobleme und Übelkeit von Gelomyrtol bekommen haben. Ihr könntet stattdessen Soledum probieren, über das ich hier schon mal kurz schrieb. Es enthält nur einen dieser drei Inhaltsstoffe, nämlich das 1,8-Cineol und ist sehr viel besser verträglich. Soledum zum Inhalieren ist laut Waschzettel bereits für Kleinkinder zugelassen. Man nimmt die Variante in Kapseln auf nüchternen Magen, weil es ansonsten bei den meisten Menschen stundenlang nach der Vermischung mit dem Speiseberei auftstößt. Aber wenn einem der frisch-eukalyptusmäßige Atem nichts ausmacht, spricht - soweit ich weiß - nichts dagegen, es nach dem Essen zu nehmen. Es wird dann etwas weniger resorbiert. Beide Mittel helfen dem Körper bei Erkrankungen der oberen und der unteren Atemwege. In Österreich kommt man wohl nur schwer an Soledum Kapseln und hat dort als Alternative auch ein prima Mittel: Tavipec, welches als Wirkstoff Speiklavendelöl hat. Auf deren Website sind gut verständliche Erklärungen zu Atemwege-Themen. Allerdings hat sich dort ein gravierender Foto-Fehler eingeschlichen: Deren (und für euch, die die Pflanze nicht kennen, auch mein) Abbildung zeigt nicht Speiklavendel, sondern Schopflavendel (Lavandula stoechas)!!! Diese wunderschöne Pflanze mit den "Propellern" auf den Lavendelköpfchen enthält bekanntlich einen hohen Anteil an nicht sehr gut verträglichen Monoterpen-Ketonen. Speiklavendel hingegen enthält einen recht gut verträglichen Anteil an Kampfer (auch ein Monoterpen-Keton). Speiklavendel ist ähnlich frostempfindlich, sieht aber mehr oder weniger wie "normaler" Lavendel aus, nur sind die Blätter etwas breiter, daher auch der wissenschaftliche Name Lavandula latifolia (latus=breit, weit).

PS. Auf mein Kreativitäts-Blog habe ich heute ein Rezept für eine delikate Rosenbowle gepostet. Passt nicht so ganz hier hin zu Husten, Eukalyptus und Bakterien!

PPS. Mich hat gestern eine Wespe gestochen, die von mir unbemerkt in meinen Ersatz-Gartenhandschuhen überwintert hatte. Als es bereits anfing, dick zu werden, wollte ich einen Tropfen Rosmarin Ct. Borneon (Kampder) drauf geben, doch der Tropfer ließ mindestens 5 Tropfen rausschießen. Nach einer knappen Stunde war nichts mehr außer ein roten Pünktchen zu sehen und zu spüren.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Aromatherapie-Fußbäder, schnell und effektiv

Aus aktuellem Anlass, weil mich nun doch noch eine Wintererkältung erwischt hat (obwohl - oder gerade - es hier tüchtig frühlingt) möchte ich mal ein paar Zeilen zu duftenden Fußbädern los werden. So eine bequeme Fußwaschung kann vom klinischen Bereich über die Fußpflegepraxis und auch zu Hause mit ganz viel Erfolg angewendet werden. Am Fernseher, unterem Esstisch oder am Bettrand. Ein Fußbad eignet sich einerseits besonders gut bei drohenden Er-KÄLT-ungen, denn sie wärmen von da, wo uns die Kälte besonders gerne attackiert: vom Boden, von der Erde, von unten, vom untersten Chakra. Zweitens ist es eine der schnellsten und bequemsten Methoden, um Einschlafprobleme und drohende Alpträume (besonders bei Kindern und Senioren) besser in den Griff zu bekommen.
Bei drohenden INFEKTEN, nach kalten Spaziergängen, nach Sitzen auf kalten Treppen oder Steinen etc eignen sich insbesondere zwei oder drei Tropfen der folgenden recht antibiotisch wirksamen ätherischen Öle (als nur des einen Öles oder jeweils ein Tropfen) auf drei bis fünf Liter möglichst heißen Wassers:
  • Bohnenkraut (Satureja montana)
  • Nelkenblätter (Syzygium aromaticum)
  • Manuka (Leptospermum scoparium)
  • Oregano (Origanum majorana)
  • Teebaum (Melaleuca alternifolia; frisch, nur 1/2 Jahr nach Öffnen)
  • Thymian (Thymus vulgaris Ct. Thymol oder Ct. Linalool)
  • Zimtblätter (Cinnamomum zeylanicum)
Besonders antiviral wirken (Erkältungserreger sind meistens Viren)
  • Zitronenmyrte (Backhousia citriodora)
  • Eukalyptus (E. radiata)
  • Zitroneneukalyptus (Corymbia citriodora, auf dem Foto)
  • Ravintsara (Cinnamomum camphora Ct. Cineol)
Diese letzten sind auch eine empfehlenswerte Unterstützung bei Kinderkrankheiten wie den Windpocken (Feuchtblattern), die durch Viren ausgelöst werden. Man kann damit die Erkrankung selbstverständlich nicht wegzaubern, doch man unterstützt den Körper bei einer effektiven Abwehr.



Bei der zweiten Misslage, den SCHLAFPROBLEMEN, sind es vor allem die lieblich-blumig-fruchtigen ätherischen Öle, die durch ihre Monoterpen-Ester für wohliges Loslassen sorgen. Diese Inhaltsstoffe wirken recht unmittelbar auf beruhigend wirksame Botenstoffe in unserem Gehirn, wie beispielsweise Prof. Dr. Buchbauer im Falle von Linalylacetat heraus gefunden hat. Dieser Stoff verleiht dem Lavendel- und Neroliöl den blumigen Duft.
  • Bergamotte (Citrus bergamia)
  • Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
  • Mandarine (Citrus reticulata)
  • Petit Grain (die Blätter der Bitterorange, Citrus aurantium)
  • Römische Kamille (Chamaemelum nobile, früher Anthemis nobilis)
  • Ylang Ylang (Cananga odorata)
Wenn das Fußbad nach 5 oder 10 Minuten beendet ist, unbedingt die Füße warm einpacken. Die feuchten offenen Poren, die Schweißdrüsenkanälchen und die Wärme helfen den winzigen fettlöslichen Molekülen der ätherischen Öle, schnell und zuverlässig die "hintersten Winkel" unseres Körpers zu erreichen. Man kann nun die Schüssel noch in die Nähe des Bettes platzieren, dann wirken die Öle noch über eine sanfte Raumbeduftung. Und wenn das Wasser ganz kalt ist, danken Zimmer- oder Balkonpflanzen für diesen Extra-Service (ich bin immer für Recycling!!!).
PS: Wer sich für die ätherischen Öle in Coca Cola interessiert, kann das heute in meinem Kreativitätsblog nach lesen, das ist natürlich nur "Aromatherapie" mit einem Augenzwinkerer ;-) Abbildung Zitroneneukalyptus: Priscila Botelho, Brasil - muito obrigada!

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Das Öl mit den 5 Vokalen, seit über 100 Jahren im medizinischen Einsatz

Wie sein enger Verwandter, der Cajeputbaum, wird der bis zu fünfzehn Meter hohe Niaouli- Baum (Melaleuca viridiflora Sol. ex Gaertn.) auf englisch „paperbark-tree“ genannt, da sich seine Rinde wie hauchdünne Papierfetzen schält. Eine Eigenschaft von vielen Myrtaceen. Der Niaoulibaum ist extrem robust, in Florida ist die Art Melaleuca quinquenervia (Cav.) S. T. Blake sogar ein invasives Unkraut (auf Link klicken, interessante Fotos!), das die lokale Flora gefährdet. In seiner Heimat Neukaledonien stehen ausgedehnte Niaouliwälder, die möglicherweise die Ausbreitung der Malaria verhindern, da Mücken von den duftenden Ausdünstungen der Bäume verscheucht werden.
Aus den lanzettförmigen Blättern wird das ätherische Öl in einer recht hohen Ausbeute von zwei bis drei Prozent destilliert. In Frankreich heißt das dort sehr hoch geschätzte Heilmittel seit den ersten Importen aus Gomène in Neukaledonien Mitte des 19. Jahrhunderts auch „Goménol“.
Die Wirkungen des Öles sind denen des Cajeputöles grundsätzlich sehr ähnlich. Es ist sehr mild, nicht toxisch und wird von den meisten Menschen gut vertragen – auch unverdünnt auf der Haut. Im Unterschied zum Cajeputöl enthält es neben reichlich entzündungshemmendem und schleimlösendem Eukalyptol bis zu 15 Prozent Sesquiterpenole, die vor allem für die Behandlung von chronisch wiederkehrenden Krankheiten wichtig sind. Ungewöhnliche Schwefelverbindungen, die dem Duft manchmal einen leicht käsigen Unterton geben, wirken wie eine Zugsalbe bei Vereiterungen.
Niaouliöl ist hilfreich bei Erkältungen und bei Hautkrankheiten aller Art. Seine gewebestraffenden Eigenschaften helfen bei Krampfadern und Hämorrhoiden. Als ölige Einreibung oder warme Kompresse hilft es bei Blasenentzündungen (mit Eukalyptusöl). Es wird auch als antiallergisch wirksames Mittel eingesetzt.
Aus der komplementären Strahlenmedizin ist es nicht mehr wegzudenken, da es zusammen mit fettem Sanddorn-Öl ungewöhnlich gut vorbeugend gegen Schäden durch Bestrahlungsbehandlungen (beispielsweise bei Brust- und Gehirntumoren) eingesetzt wird. Diese "radioprotektive" Wirkung wurde in einer Studie dokumentiert: Giraud-Robert A M: L'huile essentielle de niaouli (Melaleuca quinquenervia) dans la prévention des radiodermites du cancer du sein. Phytothérapie , Volume 2, Number 3, May 2004 , pp. 72-76(5). Diese Studie ist für $ 42 plus MwSt. bei Springer erhältlich.
Übrigens wird bereits 1912 in einer Ausgabe des einflussreichen British Medical Journal (Ausgabe vom 21. Dezember 1912) vermeldet, dass 20-prozentiges Goménol-Öl (in Olivenöl) bei Tuberkulose mit Erfolg gespritzt wurde (auf Bild klicken zum Vergrößern).