ZUM FINDEN VON THEMEN, DIE SICH NICHT IN DER SEITENLEISTE (RECHTE SPALTE) BEFINDEN, KÖNNEN SIE EIN STICHWORT IHRER WAHL IM WEISSEN FELD MIT DER KLEINEN LUPE, GANZ LINKS OBEN IN DER BLAUEN LEISTE, EINGEBEN!
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Sonntag, 6. Dezember 2009

Bessere Körperhaltung und sichereres Schlucken durch ätherische Öle


Die neue Ausgabe vom International Journal of Clinical Aromatherapy * - übrigens eine der besten Lektüren für wissenschaftlich untermauerte Anwendung von ätherischen Ölen - ist kürzlich erschienen und darin fand ich einen spannenden Artikel über Reha-Maßnahmen bei Menschen, die einen Hirnschlag erlitten haben.
Berichtet wird beispielsweise über zwei betroffene Senioren (Mann 86 und Frau 88), die beide Probleme im erschlafften unteren Kopf-/Gesichtsbereich hatten: Hämatome im Mund und damit verbundene Schwierigkeiten bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, gestörte Zungenkoordination, Sprachstörungen. Nach fünf bzw. acht sanften Massagen mit 2%-igem Mandarinen- und Lavendelöl (Citrus reticulata und Lavandula angustifolia) in Mandelöl hatten beide wieder eine wesentlich bessere Kontrolle über die betroffenen Körperfunktionen. Bei einer 46-jährigen Frau mit ähnlichen Problemen und die ständig in der Gefahr stand, ihre dünnflüssigen Mahlzeiten zu aspirieren verhalfen fünf Gesichts-Behandlungen mit Lavendel und Bergamotte (Lavandula angustifolia und Citrus bergamia) und eine Behandlung mit Lavendel und Rosmarin (Lavandula angustifolia und Rosmarinus officinalis) zu einer normalen Nahrungsaufnahme und deutlicherem Sprechvermögen. Die Autorin Paula Mullins beschreibt weitere erfolgreichen Reha-Maßnahmen. Sie erwähnt zudem einige Studien, beispielsweise die Erkenntnis, dass Menthol (Hauptwirkstoff in Pfefferminze- und Ackerminzeölen, Mentha piperita und Mentha arvensis, in dieser Studie in synthetischer, 'naturidentischer' Form verwendet) ähnlich wie kaltes destilliertes Wasser den Schluckreflex deutlich verbesserte. Diese Maßnahme empfehlen die japanischen Wissenschaftler bei PatientInnen mit Dysphagie, also bei Schluckproblemen. Denn bei ständigem Verschlucken bzw. durch das Gelangen von Speisestückchen und Speichel in die Luftröhre ist eine große Gefahr von Lungenentzündungen gegeben, die somit reduziert werden könnte. Die Wissenschaftler empfehlen den Betroffenen, vor den Mahlzeiten eine mentholhaltige Pastille zu lutschen (Bonbon, Dragee etc) [Ebihara T, Ebihara S, Watando A, Okazaki T, Asada M, Ohrui T, Yamaya M, Arai H. Effects of menthol on the triggering of the swallowing reflex in elderly patients with dysphagia. Br J Clin Pharmacol 62(3): 369-371]
Dieses Jahr veröffentliche ein Team um dieselben Wissenschaftler eine kleine Beobachtungsstudie an 17 älteren Personen (78 Jahre +/- 6) ohne neurologische Störungen, dass das Riechen von Pfeffer- und Lavendelduft die Stabilität ihrer Körperhaltung bei geschlossenen Augen verbesserte (nicht aber bei geöffneten Augen) [Freeman S, Ebihara S, Ebihara T, Niu K, Kohzuki M, Arai H, Butler JP. Olfactory stimuli and enhanced postural stability in older adults. Gait Posture. 2009 Jun;29(4):658-60]. Denkbar wären also unterschiedliche Pflegemaßnahmen mit Lavendelöl bei PatientInnen, deren Haltung und Körperkoordination aufgrund von neurologischen Vorfällen gestört sind.

* PS Wer mehr über die Fachzeitschrift IJCA lesen möchte, findet hier ein Interview in englischer Sprache mit der Herausgeberin Rhiannon Harris. Sie ist die Ehefrau von Bob Harris, der eine große (kostenpflichtige) Datenbank von wissenschaftlichen Studien über die Wirkungen von ätherischen Ölen führt.

Donnerstag, 5. November 2009

Geschmackssensoren im Darm


Wer unter Verstopfung leidet, sollte mehr aromatische Nahrung verspeisen. Münchener Forscher haben heraus gefunden, dass der menschliche Darm mit Riechsensoren ausgestattet ist, ganz wie die Nase auch, welche beispielsweise die Duftmoleküle von Thymol von Thymian und Mandarinenschale sowie Eugenol von Gewürznelke, Basilikum, Zimtblättern (Foto) und anderen Gewürzen "erkennen" können. So steuern sie die Darmbewegung. Die Forscher untersuchten enterochromaffine Zellen aus dem Dünndarm, die nach Aktivierung Serotonin ausschütten und so die Darmperistaltik anregen und auch die Ausschüttung von Verdauungssäften fördern.
Möglicherweise wird allerdings ein chronisch angegriffener Reizdarm durch diese Gewürze zu sehr angeregt oder er ist übersensibilisiert worden durch künstliche, potenziell stark reizende Aromabestandteile der Nahrung (künstliche Aromen enthalten oft chlorhaltige Verbindungen als Trägersubstanz). [Braun T, Kunz L, Gratzl M, Voland P, Prinz C: Gastroenterology, Vol. 132(5), pp 1890-1]

PS Ich wurde gefragt, wie ich es schaffe, immer solche Studien aufzutreiben. Lesen, lesen, lesen, möglichst in vier unterschiedlichen Sprachen! Und aufschreiben, damit ich es nicht vergesse, also Blog-Schreiben und mit den Wissenspuzzlesteinchen Tabellen anfertigen, denn wegen meiner früheren Zettelwirtschaft ist mir wertvolles Wissen abhanden gekommen ;-) Und natürlich mit Wissenschaftlern reden und schreiben, auf Kongresse gehen, mit KollegInnen und Firmeninhabern fachsimpeln. Und selbst von KursteilnehmerInnen und Kommentatorinnen bekomme ich wertvolle Inputs, danke an dieser Stelle!

PPS Vielen Dank an die SpenderInnen durch Foto-CD-Kauf! Beate konnte durch den Verkauf von 25 Stück ihrer süßen Laborhündin zu einer qualitativ hohen Reha verhelfen.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Piment - eine Probedestillation


In eine 35-Liter-Destille wurden 2 Kilo Piment gegeben, die pfefferartigen würzigen Kügelchen wurden vorher in einer elektrischen Kaffeemühle grob zerkleinert. Der zylindrische Teil war gut zur Hälfte gefüllt, ich schätze, insgesamt hätten 4 Kilo des Gewürzes gepasst. Der Großhändler hat 34,22 Euro für die zwei Kilo erhalten. Im Laden zahlen wir hier in Irland je nach Marke circa 2,50 Euro für 20 Gramm des fein gemahlenen Lebkuchengewürzes.
Wir haben uns für Nelkenpfeffer [Pimenta dioica (L.) Merr.] entschieden, weil der Ertrag mit gut 3 Prozent als recht hoch angegeben wird und der Preis einigermaßen erschwinglich. Im Vergleich:
  • bei Rosenöl beträgt die Ausbeute circa 0,02 Prozent
  • bei blauer Kamille 0,2-1 Prozent
  • bei Lavendel 0,5-1,5 Prozent
  • bei Rosmarin 1-2 Prozent
  • bei Atlaszedernholz 2,5-5 Prozent
Selten ergibt eine Pflanze mehr als 2 Prozent ätherisches Öl, eher unter einem Prozent. Die große Ausnahme ist die Gewürznelke, aus ihr kann man unter guten Bedingungen fast 20 Prozent ätherisches Öl destillieren.
Auf dem Foto dichte ich die Destille ganz altertümlich mit einer Pampe aus Roggenmehl ab (hält vorzüglich!) und unser Schwitzhüttenmeister Uwe füllt kaltes Wasser in den Kühler.


Auf dem Hydrolat schwimmt das ätherische Öl, sie müssen mit Hilfe eines Scheidetrichters voneinander getrennt werden, diese Prozedur kann einige Tage dauern.


Das ätherische Pimentöl sinkt nach unten und kann langsam in einen Messzylinder laufen. Pimentöl ist recht zähflüssig, es enthält Spuren eines fetten Öles.


Die Ausbeute war erfreulich hoch: knapp 12 ml ätherisches Öl, dazu knapp 3 Liter Hydrolat! Diese Menge hat nun viel Arbeit, viel Wasser, Gas für knapp 3 Stunden plus 34,22 Euro gekostet.


Mit den Überresten der Piment"beeren"- immerhin eine prallvolle Stoffeinkaufstasche oder 35 gut gefüllte Suppenkellen voll -, die noch recht stark duften (hier trocknen sie vollends in der Sonne), werde ich zu klein gewordene bunte Socken füllen und diese gegen den muffigen Geruch in einem Garderoben- und Schuhschrank auslegen. Die horizontale Markierung auf dem 20-ml-Fläschchen zeigt die Füllhöhe des ätherischen Öles. Prozentangaben von Malle & Schmickl

Mittwoch, 4. Februar 2009

Schnell, schnell...

...weil unser Internetzugang gerade mal nicht so ganz langsam ist, weil ich am Samstag nach Wien abreisen werde, weil ich dort am Valentinstag (und den Tag drauf) ein Seminar über Psycho-Aromatherapie halten werde. Zwei der Hauptakteure werden sein: Methyl-N-Methylanthranilat und 4-Hydroxy-3-Methoxybenzaldehyd. Unappetitlich und unromantisch? Von wegen! Ersteres ist der wunderbar entkrampfende Duftstoff, welcher in den meisten Absolues weißer/heller Blüten steckt: Champaca, Neroli, Jasmin, Tuberose, Ginster etc. Seine antidepressive Botschaft: Lass die Seele baumeln!
Zweiteres ist ein bekannter Stoff, den die meisten von euch in der Küche vorfinden: der Duftstoff der Vanille auch genannt Vanillin. Viel und schlecht kopiert in fast allen süßen Lebensmitteln zu finden, zudem süchtig machend ab der ersten Mahlzeit. Denn er befindet sich in Spuren in der Muttermilch und in größeren Mengen - in synthetischer Form - in so ziemlich allen Babyersatzmilchen und Breien. Er wird aus schwefelig-stinkenden Zellulosemassen hergestellt, wie ich bereits hier diesen Winter beschrieb. Er ist ein Stoff für Glücksgefühle, da er entsprechende Neurotransmitter, so eine Art Gehirnhormone, auf Trab bringt.
Und so greife ich schnell zu einer glücksfördernden Formel, schmelze hier auf der Heizung neben mir Kokosfett und Mandelöl (circa 1:1) zusammen und lege die in drei Teile zerschnittene Vanilleschote darin bis zum Valentinstag ein. Aprikosenkernöl duftet je nach Lieferant oft marzipanartig (durch den antitumoral wirksamen Inhaltsstoff Amygdalin), wer das mag und die Rarität erhält kann dieses Körper- und Küchenöl damit noch etwas würziger gestalten.


Natürliches Vanillin befindet sich auch im fein duftenden Resinoid des Benzoebaumes ("Benzoeöl"), der menschliche Körper baut es Zwischenprodukt der Synthese von L-Dopamin (Neurotransmitter, der u.a. Motorik steuert) auf. In Pflanzen entsteht es durch Fermentation. Es wirkt antidepressiv, aphrodisisch, antioxidativ in Speisen und Appetit regulierend.


Laut einer Studie haben Probandinen mit Süßigkeitensucht einige Kilo abnehmen können, nur dadurch dass sie ein Pflaster mit Vanilleduft trugen (es wird jeden Tag frisch auf eine diskrete Körperstelle wie Puls oder Decolleté geklebt).
Wer dran riechen mag: das Psycho-Aromatherapie-Seminar findet im Springer Schlössl statt, Infos beim Veranstalter Feeling.

Samstag, 31. Januar 2009

Zungenbrechereien


Woher kommt der neuere Name "
Syzygium aromaticum" für die Gewürznelke? Das fragte ich mich schon des Öfteren, vor allem wenn ich die Abschlussprüfungen meiner KursteilnehmerInnen korrigiere. Denn selten ist dieser Zungen- und Kugelschreiberbrecher richtig geschrieben (was ich aber nicht als Fehler werte!!! ich habe vollstes Verständnis dafür und akzeptiere das rudimentär geschriebene Wort, sofern es irgendwie erkennbar ist).
Syzygos, syzygios kommt aus dem Griechischen und bedeutet 'zusammengejocht, verbunden, vermählt'. Der wissenschaftliche Gattungsname dieses beliebten Gewürzes bezieht sich auf die zu einer Haube verwachsenen Kronblätter (Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der Botanischen Pflanzennamen). Der Beiname (die Art) beschreibt die Tatsache, dass es sich um einen stark duftenden/aromatischen Baum handelt. Blätter, Knospen, Stiele und sogar Wurzeln besitzen den charakteristischen Duft nach Eugenol, dem Hauptbestandteil des ätherischen Öles.
Der alte, gelegentlich noch verwendete wissenschaftliche Name lautet
Eugenia caryophyllata (oder auch caryophyllus). Mir gefällt der Begriff Eugenia sehr gut, denn in diesem alten Namen verbirgt sich eines der wichtigsten Einsatzgebiete der Gewürznelke: Die Vorsilbe Eu bedeutet auf griechisch gut (wie auch bei Eukalyptus) und Genus bezieht sich auf Gattung, Geschlecht und Geburt. Eine Abkochung aus Gewürznelken wurde noch vor nicht allzulanger Zeit zwei oder drei Wochen vor der Geburt getrunken, um die Muskulatur des Uterus zu stärken und auf die Hochleistung der Wehen vorzubereiten. Nicht nur die Geburt verspricht gut zu werden, sondern auch das (Menschen)Geschlecht bleibt dank dieses Heilmittels gesund erhalten. Caryophyllus ist der botanische Name für die Gartennelke und beschreibt den Duft des Tropenbaumes.


Heutzutage wird das ätherische Öl der Gewürznelke von erfahrenen Hebammen als lokales wehenauslösendes Mittel eingesetzt, wenn die Geburt nicht los gehen will oder wenn die Wehentätigkeit nachlässt. Auch ein zu trinkender Wehencocktail zur Stimulierung der Wehen wird mit Gewürznelke (als Öl oder wie bei Glühwein mit den getrockneten Knospen) angereichert. Daraus folgt, dass dieses ätherische Öl nicht geeignet ist, während der Schwangerschaft verwendet zu werden. Da dieses wunderbare "Antibiotikum der Aromatherapie" sehr hautreizend ist, sollte es auch nicht von Laien "einfach so" benutzt werden.

PS Unser Satelliten-Internetzugang wurde uns leider auf Analog-Geschwindigkeit gedrosselt (der Preis für das romantische Leben auf dem Land und am A... der Welt, bald packen wir wieder die Buschtrommeln aus), so dass ich zeitweise keine Websites mit Bildern aufkriege. Geschweige denn etwas hochladen kann. Ich bitte um Nachsicht, falls ich mich zeitweise nicht "blicken" lasse.

Montag, 26. Januar 2009

Da haben wir den Salat! Teil 2


Eben hörte ich aus München, dass eine der großen Ätherisch-Öle-Firmen kein Zimtblätteröl mehr verkaufen darf (vermutlich die anderen Firmen auch, doch man erfährt ja NIX in dieser Branche!). Es enthält mehr als 0,1% des lebertoxischen Safrol und ist somit nicht mehr "verkehrsfähig"... Wer hat hier bloß wieder verraten, dass man vom täglichen schlückchenweisen Trinken dieses Öles augenblicklich in Ekstase verfällt? (Achtung, das war sarkastisch...) Und wer kümmert sich um all die Schnaps-Leichen, die ihre Lebern vergiften??? Das ist eine traurige Meldung zum 3.000-sten Besucher meines Blogs. Danke trotzdem an all euch treue Leserinnen und Leser!

PS Wer hat es gemerkt? Ich kann wohl Fotos riechen! Hatte statt Zimtblätter Nelkenblätter in diesen Post gestellt, aber was solls, sie duften fast gleich und weisen auch eine sehr ähnliche Zusammensetzung auf. Hauptbestandteil beider Öle ist Eugenol.

Sonntag, 25. Januar 2009

Morgen fängt das Jahr der Kuh (des Ochsen) an

Ich weiß nicht warum, aber ich fühle mich dem ostastiatischen Neujahr mehr verbunden als der europäischen Jahreswende. Dieser Termin mitten im tiefsten Winter mitten in der Nacht ist für mich nicht stimmig. Die chinesische Jahreswende Ende Januar oder Anfang Februar (jedes Jahr etwas anders, es handelt sich um einen astrolunaren Kalender, der sich nach den Begebenheiten am Himmel richtet) erscheint mir natürlicher und eher an die jahreszeitzlichen Zyklen angepasst. Hier in Irland beginnt ganz offiziell am 1. Februar der Frühling und man spürt zu diesem Zeitpunkt bereits, wie die Natur alle Anstrengungen unternimmt, sich zu recken und zu strecken und endlich wieder zu erwachen. Oft blühen um diese Zeit die ersten Kamelien und die umwerfende lilarote Blüte des Rhododendron arboreum lässt auch nicht mehr lange auf sich warten.
Und ich finde, auch nach Weihnachten (oder gerade dann, wenn der schlimmste Fest-Stress vorbei ist) kann man seine Wohnung hübsch und winterkuschelig dekorieren und auch weiterhin leckere Plätzchen backen. Darum anbei ein paar sehr aromatische, um nicht zu sagen "antibiotische" Leckereien zur kalten Jahreszeit und zum "Silvester". Denn morgen, 26.01.2008 fängt das Jahr der Kuh/des Ochsen an. Es soll ruhiger und erdiger werden als das vergangene Jahr der Ratte, in dem fast alle Menschen so wie das putzige und umtriebige Nagetier geschuftet, gesammelt und neue Projekte begonnen haben. All diese Projekte werden ab morgen umgesetzt, verfestigt und zu Ende gebracht. Insofern können die selbst gebackenen Köstlichkeiten auch "Fortune Cookies", die chinesischen Glückskekse sein, der (amerikanische) Chinese serviert sie anlässlich von Feiern wie den Neujahresfeierlichkeiten. Das "richtige" Rezept für Fortune Cookies steht übrigens hier.

Rosenbussis 30-40 Stück

Teig:
200g Mehl
200g Butter
100g Zucker
100g geriebene Mandeln
1 Eigelb
1 Tr. Rosenöl
1 Prise Meersalz
15 Tr. Vanilleextrakt (Primavera oder Farfalla)
evtl. 1 EL fein geriebene Rosenblütenblättchen

Guss:
100g Puderzucker (Staubzucker)
circa 2 EL Rosenhydrolat

Aus den Teigzutaten einen Mürbeteig kneten und mindestens zwei Stunden im Kühlschank kalt stellen (oder über Nacht). Teig halbieren, zwei „Stangen“ rollen und „Taler“ abschneiden. Oder kleine Halbmonde (Kipferl) formen. Circa 10 Minuten bei 160 Grad backen. Mit dem Zuckerguss bestreichen und nach Wunsch mit Puderzucker bestäuben. In einer mit einer Papierserviette mit Rosenmotiv ausgelegten Schale servieren.

Tonka-Gewürzherzen 50 Stück

200g weiche Butter
200g Zucker
2 große Eier
2 Tr. Zimtrindenöl
2 Tr. Ingweröl
1 Tr. Nelkenblütenöl
1 Tr. Bay- oder Pimentöl
1 Tr. Pfefferöl
10 Tr. Tonkabohnenextrakt
150ml Reismalz oder Rübensirup
1 Messerspitze Salz
750g Dinkelmehl

Butter und Zucker aufschlagen, Eier und ätherische Öle dazu geben, danach Melasse und Salz einarbeiten und schließlich alles mit dem nach und nach zugefügten Mehl gut mischen. Kloß in Klarsichtfolie einpacken und für einige Stunden kalt stellen (auch über Nacht). Dann Herzchen ausstechen und bei 160 Grad knapp 15 Minuten backen. Diese Kekse halten in einer gut verschlossenen Dose recht lange, da die ätherischen Öle antioxidativ wirken.

After-Eight-Vergnügen 30-40 Stück

Teig:
180g feiner Zucker
180g weiche Butter (Zimmertemperatur)
1 Messerspitze Meersalz
3 Eier
240g Mehl
40g Kakaopulver (ohne Zucker)

Füllung:
100g Schlagsahne
100g weiße Kuvertüre
2 Tr. ätherisches Pfefferminzeöl (Mentha piperita, nicht „Heilpflanzenöl“)
evtl. 12 Blättchen frischer Minze

Zucker mit Butter und dem Salz aufschlagen, nach und nach die Eier unterschlagen. Mehl hinzufügen und mit Kakao verrühren. Mit zwei Teelöffeln kleine Häufchen (maximal walnussgroß) auf ein Backblech setzen und circa 15 Minuten bei 160 Grad backen.
Kuvertüre klein hacken und im Wasserbad vorsichtig schmelzen. Mit der Sahne vermischen (oder beides auf der Heizung erwärmen und vermischen), Öl dazu geben und ev. die feinst geschnittenen Minzeblättchen hinzufügen. Idealerweise einige Stunden ziehen lassen und dann gut durchrühren. Auf die Hälfte der Plätzchen schmieren, mit jeweils einem Plätzchen zuklappen. Entweder mit Puderzucker (Staubzucker) bestäuben oder nach Muster der Rosenbussis einen Zuckerguss herstellen: statt Rosenhydrolat Pfefferminzehydrolat verwenden und damit Punkte und/oder Spiralen auf die Doppeldecker spritzen.

Thymian-Locken 30 Stück

100g Butter
60g brauner Zucker
1 Messerspitze Meersalz
gut vermischen, bis der Zucker völlig aufgelöst ist.

1 Ei
50g Crème fraiche oder Schmand
Saft einer Zitrone
3 Tr. ätherisches Zedratschalenöl (oder Zitronenschalenöl)
2 Tr. Thymian-linalool-Öl
hinzufügen

200g helles Dinkelmehl
hinzufügen und zu einem homogenen Teig verarbeiten. Eventuell mit 1 Esslöffel frisch gezupfter Blättchen des Zitronenthymians verfeinern.
S-förmige Kringel auf ein Backblech spritzen und knapp 15 Minuten bei 160 Grad backen. Wenn vorhanden, mit etwas erwärmtem Quittengelee bestreichen.

Mittwoch, 21. Januar 2009

Tolles Kräuter-Blog


Eben suchte ich nach Infos über das Lungenkraut, um einen Beitrag für eine Fachzeitschrift zu verfassen. Und da verirrte sich Rotkäppchen mal wieder im Internet-Wald und stieß auf einen ganz und gar nicht bösen Wolf, nämlich auf Daniel Rühlemanns Kräuter-Blog. Dieser engagierte Heilkräuter- und Duftpflanzengärtner aus Nord-Deutschland hat vielleicht das größte Sortiment an "normalen" und exotischen Heilpflanzen und deren Samen im deutschsprachigen Raum, sie werden per Post an ihre Zielgärten geschickt. Ladet euch unbedingt den super-informativen Katalog von seiner Website runter! Er ist schöner und lehrreicher als so manches teure Kräuterbuch. Aber Achtung: Suchtgefahr, vor allem wenn man Garten- oder BalkonbesitzerIn ist!

Montag, 8. Dezember 2008

Oh Tannenbaum mit Schimmelgrauen

Passend zum gestrigen Beitrag über Kakao muss heute die Vanille erwähnt werden. Eines ohne das andere kann in der kulinarischen Welt kaum existieren. Bereits in der mexikanischen Legende heißt es, dass zwei verzauberte und gestorbene Liebende für ewig verbunden bleiben konnten, da SIE als rankenden Orchidee (Vanille) SEINE Zweige (Kakaobaum) für immer sanft umschlingen darf. Das war vor 500 Jahren oder mehr, als dieses anmutige "Gewürz" mit den spanischen Conquistadoren die europäische Welt eroberte.
Doch an dieser Stelle muss ich Ihnen den Appetit verderben. Vanillin, der Hauptinhaltsstoff dieser fermentierten Schote [4-Hydroxy-3-methoxybenzaldehyd], wurde zunächst - ab 1874 - aus den Rinden von Tannen, Fichten und anderen Nadelhölzern hergestellt. Bis vor Kurzem ging es einfacher und vor allem viel billiger: Man extrahierte die begehrte Substanz aus schwefelig stinkenden Abfällen der Papierproduktion (Lignin). Seit einigen Jahren verlässt man mehr und mehr diesen sehr umwelt-unfreundlichen Syntheseweg und stellt "natürliches" Vanillin biotechnologisch mit Hilfe von Bakterien (Streptomyces, Pseudomonas) und Schimmelpilzen her. Ich frage mich, ob wir uns damit nicht wieder für neue Allergien sensibilisieren? Man kommt ja streng genommen nicht drum herum: Bereits Babyprodukte werden vanillisiert, auch fruchtige und nussige Brotaufstriche, fast alle Süßgebäckarten, Diätnaschereien und so ziemlich alle Weihnachtsknabbereien sowieso. Ferner Parfüms, Kosmetik und sogar in Kunststoffen für Babyspielzeug befindet sich die Substanz.
Auf unseren Speiseplänen ist dieser "Lockstoff" also fast überall vorhanden. Einerseits dient er als Antioxidans, um die Haltbarkeit von Lebensmitteln zu verlängern, andererseits verleiht er Süßwaren jenen unwiderstehlichen Geschmack, der uns als Baby die Muttermilch schmackhaft machte. Und uns für immer und unauslöschbar an diese (hoffentlich) seligen Zeiten erinnert.


Der französische Chemieriese Rhodia vermarktet seit 2000 dieses "biosynthetische" Produkt namens Rhovanil Natural, das aus der Ferulasäure, die beispielsweise in Gräsern und vor allem in Reiskleie verkommt, hergestellt wird. Allerdings kostet es mit 700 Dollar pro Kilo wesentlich mehr als die umgewandelten Holzabfälle mit 15 Dollar pro Kilo. Dafür darf es ganz offiziell das Prädikat "natürlich" tragen. Ähnlich wie "natürliche" Erdbeer- und Himbeerdüfte, die neuerdings die Regale der Naturkosmetik-Drogerien füllen. Zum Vergleich die Preise von unterschiedlichen natürlichen Extrakten von Vanilla planifolia, der echten Vanillepflanze: 1 kg Vanille Bourbon CO2 Extrakt (mit 12% Vanillin) kostet bei Ronald Reike 2.600 Euro, sein Vanille Alkoholextrakt kostet 960 Euro pro Liter. 5 ml verdünntes Vanilleabsolue kostet bei Feeling 13,80 Euro, 5 ml Vanille-Extrakt (kbA) kostet bei Farfalla 8,90 Euro und bei Primavera (20-prozentig) 16,60 Euro. Ich verwende letztere fast täglich in meiner Küche für Puddings, Müslis, Honig und Gebäck. Das gute Gefühl und das feine Geschmackserlebnis sind jeden Cent wert, man benötigt ja nur wenige Tropfen davon. Man kann sich einen feinen Vanillezucker damit herstellen: Einfach ein Schraubglas mit Zucker (weiß oder braun oder sogar Demerara) füllen und 10 bis 20 Tropfen des alkoholischen Bio-Vanilleextraktes dazugeben, gut durchschütteln, mindestens eine Woche ziehen lassen und dann wie das Tütchen mit dem synthetischen Vanillezucker einsetzen.
Übrigens ist kaum bekannt, dass Vanillin in der Pflanzenwelt weit verbreitet ist - oft jedoch nur in nicht-riechbaren Spuren. Auch im Sexualsekret einer südamerikanischen Wanze kommt es vor, wie Aromatherapie-Fachfrau Ruth von Braunschweig kürzlich amüsiert berichtet hat.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Schokoholics aufgepasst!

Noch bis zum 6. Januar 2009 (9.00 bis 16.30 Uhr) kann man die ganz besondere Ausstellung im Botanischen Garten München "Vom Lieblingsgetränk Montezumas und der Vielfalt des beliebtesten Naschwerks der Welt" bewundern. Sie findet in zwei durch einen "Schokoladen-Pfad" verbundenen Räumen statt: im "Schoko-Dschungel" des Tropischen Nutzpflanzenhauses und im Grünen Saal. Dort geht es um Historisches und die Erfindung der festen Schokolade sowie um Rezepte und Geschichten rund um die Schokolade. Unterschiedlichstes Beiwerk wie schöne Kakaodosen, ein Kakaoquirl und ein bunt sortierter Büchertisch runden das Programm ab.
Ich erlebe immer wieder die Faszination, welche die recht großen Kakaobäume bei meinen Führungen durch das Münchener Nutzpflanzenhaus ausüben. Oft erleben wir sie in blühendem Zustand, kürzlich hingen sie voller Früchte. Die Blüten duften übrigens jasminartig süß. Wenn ich die Naschkatzen auf die direkt darüber wachsenden Vanillepflanzen aufmerksam mache und ihnen auch das Zuckerrohr zeige, freue ich mich, dass Alltägliches auch noch bei Erwachsenen ein begeistertes Staunen auszulösen vermag. Einige Ätherische-Öle-Firmen verkaufen ja den fein schokoladig duftenden Kakaoextrakt, er ist sowohl für die Duftlampe als auch als "Würze" für einen guten Kaffee geeignet.
Bis Mitte März ist übrigens der Besuch des riesigen "Freiland" des Botanischen Garten kostenlos, das riesige Areal grenzt direkt an den wunderschönen Park des Nymphenburger Schlosses. Was gibt es Schöneres als so ein märchenhafter Winterspaziergang?

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Altmodisch-lieblicher Weihnachtsduft

Noch vor dem zweiten Weltkrieg gehörte die Tonkabohne in die weihnachtliche Küche. Ein Stollen ohne dieses waldmeisterartig schmeckende Gewürz war wie Glühwein ohne Zimt und Nelke. Eine Prise der schrumpeligen südamerikanischen Samen sorgt für tolle vanilleähnliche Würze und soll auch die Stimmung heben. Tabak wird seit uralten Zeiten damit aromatisiert, der berühmte deutsche Entdecker und Naturforscher Alexander von Humboldt (1769 -1859) berichtete, dass man in Caracas (Venezuela) die Wäsche damit beduftete. Der bis zu 25 Meter hohe, robinienartige Tonkabaum [Dipteryx odorata (Aubl.) Willd.] wächst im feuchtwarmen, gemäßigten Klima des nördlichen Amazonas in Brasilien, Guayana und Venezuela. Er kommt auch in Nigeria vor und ist ein Verwandter von Erbse und Bohne, gehört also in die Familie der Fabaceae (Hülsenfruchtgewächse).
Wenn die Früchte reif sind, werden die Samen getrocknet und anschließend 24 Stunden in Rum eingelegt. Ich wollte mal von einer deutsch-brasilianischen Freundin welche per Post geschickt bekommen, um sie in meinem durchaus mild temperierten Duftgarten (oder im Gewächshaus) zu ziehen, doch sie ließ mich wissen, dass es sehr streng verboten sei, keimfähige Ware außer Landes zu bringen!
Nach diesem alkoholischen Vollbad werden die braunen Samen schwarz und fermentieren, erst dann entwickelt sich der köstliche Cumarinduft nach Waldmeister. Wer Tonkabohnen besitzt, kann das weißliche auskristallisierte Cumarin in den "Falten" erkennen. Doch dieser Stoff, ein Phenolabkömmling, dem die Bohne ihren portugiesischen volkstümlichen Name Cumarú verdankt, war den Gesetzgebern schon sehr früh ein Dorn im Auge und ist bereits seit langem in Lebensmitteln verboten. Er kann – zumindest im Tierexperiment und sicherlich in synthetisch-isolierter Form, bei kontinuierlicher Anwendung Leberschäden bis hin zu Leberkrebs verursachen. Ein ähnliches Problem wie die derzeit immer wieder angeprangerten Zimtsterne mit chinesischem Zimt.
In Brasilien wird die gemahlene Bohne als Hausmedizin bei Darmkoliken und Menstruationsschmerzen eingesetzt. In der deutschen Aromatherapie werden gerne schmerz- und krampflindernde Mischungen mit etwas Tonkaextrakt angereichert, insbesondere bei der Behandlung von "aussichtslosen" Krankheiten, um gleichzeitig die Stimmung der Betroffenen etwas aufzuheitern.
Doch zurück zum Weihnachtsgebäck: eine Prise geriebene Tonkabohne oder ein Tropfen alkoholischer Tonkaextrakt pro 2,5-kg-Stollen darf man getrost als ungefährlich betrachten. Wer noch das (vergriffene) tolle Buch von Monika Werner "Ätherische Öle" aus dem G&U-Verlag hat, findet ein Stollenrezept auf Seite 168 und 169. (Abbildung: Waltraud Reischer)

Dienstag, 25. November 2008

Was bin ich?

Ich bin ein ganz stramm und trichterartig zusammen gerolltes (unflauschiges) Handtuch, das mit einem guten halben Liter heißen Wassers gefüllt werden wird. Das Wasser wird vorher mit einem Tropfen Zimtöl, der vorher in etwas Honig verrührt wird, angereichert. Mit diesem heißen Duftwasser fast voll getränkt nennt man mich "Heiße Rolle" (die äußerste Lage bleibt trocken). Ich werde dann nach und nach auf einem so richtig verspannten Rücken aufgerollt. Die Menschen lieben mich, denn ich bleibe bis ganz innen schön warm, bestimmt zehn Minuten lang. In dieser Zeit bringen die Zimtaldehyde und das Eugenol im Zimt das winterlich geschwächte Immunsystem etwas auf Trab, der würzig-tropische Duft vermittelt Wärme und Behaglichkeit.

Donnerstag, 20. November 2008

Weihnachtsfloristik mit Duftinszenierungen

Eröffnung des bezaubernden Weihnachtsmarktes bei Gärtnerei Glatz in Klosterneuburg. Welch ein Staunen, welch ein Segen, müde Glotzer werden flugs zu staunenden Kuller-Kinderaugen. Überall Düfte: Zimt und Wintergrün, Eukalyptus und Cryptomeria, Kiefern und Tannenzapfen. Floristikkünste der ganz besonderen Art. Zum Abschluss ein alkoholfreier Punsch mit der tollen Ätherisch-Öl-Mischung "Glühwein" von Feeling.

Freitag, 7. November 2008

Vanille - schöne Reise auf informativer DVD

Es nahen ungemütliche Wochenenden, man kann sich nicht so recht für das Fernsehprogramm erwärmen, plant jedoch entspannende Novemberabende auf dem Sofa. Also dringend ein paar herzerwärmende Duft-DVDs bestellen und mit den Reportern von der Neuen Züricher Zeitung in die weite bunte Welt reisen. Und dabei noch lernen! Ich liebe den Film über die Herstellung von Vanille, mein Lieblingsduft. Man sieht tolle Landschaften, die Mühsal der Gewinnung, man lernt auch einiges über ökologische Probleme und Arbeitsbedingungen der engagierten Menschen, die uns mit Wohlgerüchen versorgen. Sehenswert sind ist auch die DVDs "Vom Kakao zur Schokolade" und "Rose" sowie ganz beeindruckend "Parfum", auf der sich spannende Interviews mit Parfumeuren wie Roman Kaiser und inspirierende Bilder von Grasse befinden.