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Freitag, 20. März 2009

Dünger für die grauen Zellen


Mit der hier vorgestellten 99-jährigen Dame haben wir eine "unfreiwillige" Doppelblindstudie gemacht! Sie weiß rein gar nichts über die ätherischen Öle, die sowohl in ihrer fußpflegenden Mischung sind und und auch in ihrer Zosterbehandlung. Auch die Pflegerinnen und ihre Töchter kennen sich nicht sonderlich mit Aromatherapie aus, wissen also nicht, was in den jeweiligten Produkten drin ist. Nun kam die Tochter, die hier im Ort wohnt, und bestellte noch eine große Portion Fuß- und Beinsalbe, da sich die Haut der alten Mutter selbst nach Bekunden der Ärztin ungewöhnlich gut regeneriert hat. Und man habe beobachtet, dass die Seniorin zur Zeit noch aufmerksamer, wacher, interessierter an allem sei, als sie ohnehin meistens sei. Ob das an den Ölen liegen könne.
Ja, habe ich dann erklärt, das sei ein bekanntes Phänomen und es sei jammerschade, dass ätherische Öle nur schleppend in den Pflegealltag von Senioreneinrichtungen einzögen. Denn einige Forscher und Forscherinnen haben die Wirkung der Öle auf den Wachheitszustand des Gehirns bereits untersucht und auch die Behebung von Schlafstörungen wurde schon dokumentiert. Was spricht dagegen, betagten Menschen Duftanwendungen zukommen zu lassen? Hetze? Faulheit? Falsche Sparsamkeit? Geiz? Denn an einer Abneigung gegenüber guten Düften liegt es selten, oft freuen sie sich sogar ungemein über feine Gerüche. Und wenn die Senioren entspannter, friedlicher und glücklicher sind, haben die gehetzten und sparenden Pflegenden auch viel davon. Hier einige Studien:
  • Mit dem Einreiben von verdünntem Melissenöl konnte in einer placebokontrollierten Studie an 72 Menschen mit schwerer Demenz konnte gezeigt werden, dass bei 60% der Patienten nach vier Wochen dieser Anwendung auf Gesicht und Arme eine 30-ig-%ige Verbesserung der Unruhezustände verzeichnet werden konnte [Ballard, C.G.; O'Brien, J.T.; Reichelt, K., Perry, E.K.: Aromatherapy as a safe and effective treatment for the management of agitation in severe dementia: the results of a double-blind, placebo-controlled trial with Melissa. in J Clin Psychiatry. 63/7, Juli 2002].
  • In einer kleineren placebokontrollierten Studie an dementen Senioren konnte gezeigt werden, dass 60% der Teilnehmer durch eine Raumbeduftung mit Lavendelöl deutlich weniger unruhig als zuvor waren [Holmes, Clive; Hopkins,Vivienne; Hensford, Christine; MacLaughlin, Vanessa; Wilkinson, David; Rosenvinge, Henry: Lavender oil as a treatment for agitated behaviour in severe dementia: a placebo controlled study. in International Journal of Geriatric Psychiatry 17/4 GB-West Sussex 2002].
  • Bei Senioren, die Schlaftabletten nahmen, wurde der Schlaf untersucht. Anschließend schaute man, wie sie ohne ihre vertrauten Mittelchen schliefen (schlecht!), anschließend wurden sie mit Lavendelöl verwöhnt. Sie schliefen wieder genau so gut wie mit ihren chemischen Schlafförderern. [Hardy M, Kirk-Smith M, Strech D: Replacement of drug treatment for insomnia by ambient odour. Lancet 346:701· 1995]
  • In einer Studie an acht freiwilligen Probanden – darunter einer Dame, die nicht mehr riechen konnte – wurde gezeigt, dass der Blutfluss im Gehirn nach Inhalation von 1,8-Cineol (der Haupt-Inhaltsstoff von Eukalyptus, Cajeput, Ravintsara und auch in Salbei enthalten) signifikant erhöht war, ähnlich wie sich bei Tierexperimenten zeigte, dass die Bewegungs-Zentren im Gehirn durch diesen Inhaltsstoff beeinflusst werden [Buchbauer G: Aromatherapie. in Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Spektrum Heidelberg 2003].
  • Einige ätherische Öle können die „Wachzustände“ von dementen Menschen verlängern und/oder vertiefen. Insbesondere das ätherische Öl aus Lavendelsalbei („Spanischer Salbei“) unterdrückt – durch Studien belegt – im Gehirngewebe das Enzym Acetylcholinesterase, welches bei an Demenz erkrankten PatientInnen den ohnehin nur noch spärlich gebildeten Gehirnbotenstoff Acetylcholin abbaut [Perry NS, Houghton PJ, Sampson J, Theobald AE, Hart S, Lis-Balchin M, Hoult JR, Evans P, Jenner P, Milligan S, Perry EK.: In-vitro activity of S. lavandulaefolia (Spanish sage) relevant to treatment of Alzheimer's disease. J Pharm Pharmacol. 2001 Oct;53(10):1347-56].
  • Melissenextrakt verminderte das unruhige Umherwandern und Aufgebrachtsein von dementen PatientInnen in einer psychiatrischen Einrichtung, es verbesserte nach viermonatlicher Anwendung die kognitiven Leistungen von Alzheimer-PatientInnen [Akhondzadeh & al: Melissa officinalis extract in the treatment of patients with mild to moderate Alzheimer's disease: a doubleblind, randomized, placebo controlled trial. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2003 July 74(7):863-866].

Wir müssen nicht erst 99 Jahre alt werden, um ab und zu Frischkräuter-Tees zu trinken. Sie wirken entsäuernd, antioxidativ und regenerierend. Meine hier abgebildete Melisse ist heute, am Frühlingsanfang, schon recht weit und lädt geradezu zum Tee ein!

PS Schaut heute mal bei Waltraud vorbei, sie hat einige Videos über Destillationen ausgegraben!

PPS Auf meinem anderen Blog habe ich heute Informationen zur psycho-aromatherapeutischen Bedeutung des feinen Frangipani-Absolue geschrieben.

Kommentare:

Gaby hat gesagt…

Hej Eliane,
meiner Schwiegermutter tut das Melissenhydrolat von Maienfelser als Gesichtswasser sehr gut. Sie hat Alzheimer und ist zeitweise schon sehr aggressiv und schnell aufgebracht. Mein Schiegervater kann sie überhaupt nicht mehr unbeaufsichtigt lassen. Das Melissenhydrolat trägt zum ersten dazu bei, dass sie sich überhaupt wäscht, bzw. waschen läßt und dann scheint es sie zu besänftigen und für kurze Zeit auch "klarer" zu machen.

Liebe Grüße
Gaby

Conny Beck hat gesagt…

Hallo Eliane,

Find ich super, daß Du was über Psychoöle schreibst. Ich teste gerade wie erfolgreich es ist, Patienten der Nase nach gehen zu lassen, ihren Duft aus einigen von mir vorgeschlagenen zu wählen. Die Nase täuscht uns nicht!!! Hast Du auch Erfahrung mit Traumatisierung und Ölen???
Liebe Grüße Conny

Beate Knappe hat gesagt…

Ja - das mit den Ölen gegen Traumatisierungen würde mich auch interessieren und eine Empfehlung bei unkontrollierbarenPanikataken fände ich hilfreich - danke

Eliane Zimmermann hat gesagt…

ja und nein, so schnell ein Trauma entstehen kann, so tief ist es meistens in die Seele eingekerbt. so eine behandlung dauert lange und es kann selten mit einem schnellen erfolg gerechnet werden. bei langen behandlungen wirken ein paar ätherische Öle allerdings sehr unterstützend. ob diese dann der grund für die heilung sind, lässt sich dann natürlich nicht immer sagen. es muss ja vor allem ein bereitsschaft vorhanden sein, ein trauma zu konfrontieren, wie auch immer, kann auch in einer "stummen" kinesiologie-therapie sein, wo man das thema nicht aussprechen muss, sondern nur dran zu denken braucht. eines dieser in dieser hinsicht sehr effektiven öle ist die römische kamille, die man stark verdünnt mit beispielsweise tonka-extrakt und ein paar sher auf die vorlieben und die persönlichkeit zugeschnittenen öle kombiniert.

stufenzumgericht hat gesagt…

Schade, dass dieses Wissen in den Altersheimen nicht (mehr) vorhanden ist. Allein diese Ekel erregenden Gerüche dort sind ja schon abschreckend genug.Da muss man ja vollkommen abstumpfen, um das überhaupt ertragen zu können, sehr traurig!Meine (auch an Alzheimer erkrankte) Mutter, die jedoch bis zu ihrem Tod zu Hause lebte, sprach immer sehr auf Düfte an, bis zum Schluss liebte sie ihr Parfum!Wenn ich deine Empfehlungen nur früher gekannt hätte...
LG, Martina

Anonym hat gesagt…

Hallo Eliane, hier schreibt Heidi.
Vielen Dank für den Melissenbeitrag hinsichtlich Demenzerkrankung. Das werde ich gleich bei meiner Mutter ausprobieren. Ich werde mir ein Hydrolat besorgen.
Ich hab schon gute Erfolge erzielt, was das Einreiben von Händen und Armen angeht, da hab ich ihr Wohlfühlmischungen hergestellt mit Rose, Tonka, Lavendel. Meine Mutter guckte mich ganz erstaunt an, als sie die wunderbaren Düfte wahrnahm. Sie haben sie sicherlich an ihren wunderschönen Blumengarten erinnert.
Ich habe kürzlich eine Frau kennengelernt -durch Zufall-, die inzwischen gemeinsam mit ihrem Mann 3 Seniorenwohnheime leitet. Dort wird mit ätherischen Ölen gearbeitet. Das hat mich sehr gefreut.
Und eins noch: In unserem örtlichen Anzeigenblatt wurde über Lippenherpes berichtet und nur die chemische Keule empfohlen. "Von Hausmitteln wird abgeraten..". Das hat mich natürlich auf den Plan gerufen und ein Leserbrief war fällig.
Liebe Grüße
Heidi

Birgit Karl hat gesagt…

Auch in der psychiatrischen Klinik,in der ich arbeite wird in verschiedenen Bereichen (in kleinen Schritten) mit ätherischen Ölen gearbeitet und die Akzeptanz steigt!Ich selbst bin im suchttherapeutischen und allgemeinpsychiatrischen Bereich tätig,höre aber immer wieder von den beschriebenen Erfolgen mit dementen,unruhigen Patienten aus der geriatr.Abteilung. Besonders wirksam scheinen dort Handmassagen und Waschungen zu sein. Eine Kollegin berichtete auch davon,dass sie Angehörige nach "Lieblingsdüften" ihrer Patienten aus vergangenen Tagen fragte,sozusagen als Teil der Anamnese,und dies dann bei der Auswahl der Öle berücksichtigte. Fand ich toll.
Herzliche Grüße
Birgit

wald-und_wiesenhexe hat gesagt…

Guten Morgen,
ich arbeite in einem Seniorenheim
und auch wir benützen ätherische
Öle in der Pflege.Den Bewohnern geht
es gut,die Angehörigen freuen sich über unsere gute Luft im Haus.
LG.Angelika