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Dienstag, 8. September 2009

Bringt graue Zellen auf Trab


Heute früh recherchierte ich für einen Text über Aromatherapie bei Demenzen und fand, dass bereits Shakespeare Rosmarin für das Gedächtnis empfahl. Das hat mich einigermaßen überrascht, da er 1564-1616 lebte - was ja eine vor-aromatherapeutische Zeit war!!!! Nachmittags wurde ich dann in einem Interview gefragt, warum Rosmarinöl einen so starken Einfluss auf das Gehirn hat. So stelle ich mal die drei gängigen Rosmarinöle vor.

Rosmarin, Rosmarinus officinalis L. - Das Stimulations-Öl.

Der typische Mittelmeerstrauch mit den nadeligen dunkelgrünen Blättern aus Südfrankreich, Spanien, Marokko oder ganz selten Korsika versorgt uns je nach Wuchsort mit drei unterschiedlichen ätherischen Ölen. Er wurde bereits vor tausenden von Jahren als magische Pflanze und als wirksames Heilkraut verehrt.

In meinem Duftgarten habe ich mehrere Exemplare dieses Lippenblütengewächses (Lamiaceae), die hier in Irland gerne sehr gagelig-holzig in die Höhe schießen, ein Strauch ist gut 1,50 m hoch. Sie blühen meistens bereits Ende Januar.

Das ätherische Öl gehört zu den ganz frisch-fast-stechend duftenden Kopfnoten, es wird durch Wasserdampfdestillation aus den Zweigen gewonnen. Es kann bereits knapp zwei Jahre nach Öffnen der Flasche die spritzige Note verlieren und riecht dann eher holzig.

Chemotyp Kampfer (Borneon): Dieses frisch-spitz-kampferig duftende ätherische Öl war noch vor fünfzehn Jahren DAS Rosmarinöl, als man noch nicht mit den anderen Chemotypen vertraut war. Es heißt auch Spanischer Rosmarin. Seine winzigen Kampfermoleküle (bis 27 Prozent) stimulieren und beleben Kopf und Kreislauf: Rosmarinöl fördert klare Gedanken, Wachheit, Konzentration, Klarheit. Seine durchblutungsfördernde Wirkung ist wie ein Wundermittel für Morgenmuffel und Menschen mit niedrigem Blutdruck: in der Duftlampe und in Duschgel und Schampoo. Zudem wirkt es schmerzlösend auf die Muskulatur und ist ideal für wärmende Vor- und Nach-Sport-Ölanwendungen sowie bei Sportverletzungen. Dieses ätherische Öl pflegt und regeneriert auch die Kopfhaut und fördert den Haarwuchs (zusammen mit Bay, Ylang Ylang und Zeder). Bei Epilepsie(neigung), in der Schwangerschaft und bei sehr hohem Blutdruck nur nach Absprache mit eine(r) erfahrenenen AromatherapeutIn und nur stark verdünnt anwenden, nichts abends anwenden (nur vor der Nachtschicht!)

Chemotyp Cineol (Eukalyptol): Dieses im Duft stark an Erkältungsöle erinnernde ätherische Öl enthält nur halb soviel Kampfer und stattdessen mehr schleimlösend und auswurffördernd wirksames Eukalyptol, das bei Erkältungskrankheiten hilfreich ist und anregend in Zeiten starker Erschöpfung.

Chemotyp Verbenon: Dieses ist das beste ätherische Öl, wenn es darum geht, Beschwerden aufgrund einer nachlassenden Tätigkeit der Leber zu behandeln. Man sollte für zwei bis drei Wochen mehrmals wöchentlich eine sehr warme Leberkompresse damit machen. Dazu 2 Tropfen des Öles mit etwas Honig vermischen, in einem halben Liter sehr warmen Wassers gut verrühren, Waschlappen oder kleines Gästehandtuch darin tunken und auswringen und auf den rechten Oberbauch legen, mit Wärmflasche bedecken. So können Verdauungsprobleme und auch Migräne sowie Erschöpfungszustände günstig beeinflusst werden.

Rosmarinöl wissenschaftlich: Nachdem sich bei Tierexperimenten zeigte, dass die motorischen Zentren im Gehirn durch den Hauptinhaltsstoff von Rosmarinus officinalis und Eucalyptus globulus 1,8-Cineol beeinflusst werden, wurde in einer kleinen Studie an acht freiwilligen Probanden – darunter einer Anosmikerin – festgestellt, dass der zerebrale Blutfluss nach Inhalation von 1,8-Cineol signifikant erhöht war. (Buchbauer 2003).

Kommentare:

Heidi hat gesagt…

Danke für die Beschreibung der einzelnen Chemotypen.
Man könnte doch auch eine Auflage zur Leberentgiftung beim Fasten mit ct Verbenon machen?
Grüße Heidi

Beatrice hat gesagt…

Vielen Dank für diese interessante Beschreibung von Rosmarin.

Die anregende Wirkung und dessen Reichtum an ätherischem Rosmarinöl bezeugte schon Leonhard Fuchs in seinem "New Kreutterbuch" aus dem Jahre 1543:

"Rosmarin stärkt das Hirn und allerley Sinne.
Es ist gut zu zitternden und lahmen Gliedern".

Das Buch kann man übrigens im Pharmazie-Historischen Museum Basel sehen und online unter:

http://imgbase-scd-ulp.u-strasbg.fr/displayimage.php?album=24&pos=0

liebe Grüsse aus Basel

Beatrice

Angelika hat gesagt…

Guten Morgen,
auch ich sage Danke für die Beschreibung der verschiedenen Rosmarinsorten.
Die anregende Wirkung kann ich nur bestätigen. Als Dauernachtwache
genieße ich gerne einen Tee oder nehme
mir im vorbeigehen eine Nase
voll Aromaöl um wieder denken zu können.
Schöne Grüße Angelika

Heidi hat gesagt…

Ich hab da nochmal eine Frage:
Ich stelle es mir so vor, dass jede Rosmarin-Lieferung im Labor untersucht wird und dann der Chemotyp bestimmt wird. Kann es sein, dass auf ein und dem selben Feld, je nach Erntejahr, unterschiedliche Chemotypen "wachsen"?
Grüße Heidi

Heidi hat gesagt…

Ich hab da nochmal eine Frage:
Ich stelle es mir so vor, dass jede Ernte im Labor untersucht wird und dann der Chemotyp festgestellt wird. Kann es sein, dass auf ein und demselben Feld -in unterschiedlichen Erntejahren- auch unterschiedliche Chemotypen "wachsen"?
Grüße HEidi

Eliane Zimmermann hat gesagt…

grundsätzlich entscheidet u.a. das wetter (v.a. sonnenstunden) den chemischen schwerpunkt, so dass auf ein und demselben feld bei vielen pflanzen unetrschiedliche chemotypen entstehen, nämlich bei frühjahres- und spätsommerernten derselben pflanzen. aber ct. verbenon scheint es in der bekannten zusammensetzung nur auf korsika zu geben. und ja, so eine auflage ist IDEAL zur unterstützung beim fasten (wenn man keine gallensteine hat).

Heidi hat gesagt…

Danke, Eliane, wieder ein Stückchen schlauer geworden. Hab keine Gallensteine :-) Also beim nächsten Fasten: Rosmarin ct. Verbenon zuerst in mein Schatzkästlein und dann auf meine Leber.
Ich liebe auch den Rosmarin. Er tut mir morgens sehr gut, manchmal beim Schnuppern, manchmal als Tee, weil mein Blutdruck eher niedrig ist. Und dieser Duft... (Und dann noch Kartoffeln und Lammfleisch)hmmmm
Grüße Heidi

Gordana hat gesagt…

Liebe Eliane,
vielen Dank für die ausführliche Beschreibung von Rosmarin. Habe immer ein wenig Respekt im klinischen Bereich ihn anzuwenden.
Das wird sich jetzt ändern.
Viele liebe Grüße aus Böblingen

Annett hat gesagt…

Liebe Eliane, danke für deinen Blog. Ich verpasse keinen Beitrag mehr und lerne, lerne und lerne.
Lieben Gruß Annett

Lillian hat gesagt…

Guten Morgen liebe Eliane,
lieben Dank für die interessanten Informationen über den tollen Rosmarin. Wünsche dir noch einen schönen Tag, viele Grüße Lillian.

Ulli hat gesagt…

Danke für die Beschreibung. Ich mag Rosmarin sehr gerne. Verwende es im Shampoo und Duschgel, da ich morgens immer sehr langsam auf Trab komme und einen niedrigen Blutdruck habe. Ist einem dauerhaften Gebrauch eigentlich abzuraten?
Grüsse Ulli

gitte hat gesagt…

vielen dank für den guten rosmarin artikel. und ich scheine es endlich geschafft zu haben, mich hier anzumelden. juchhu.!! liebe grüssle gitte

Sabine hat gesagt…

Ich wußte gar nicht das es vom Rosmarin soviele Chemotypen gibt??
Ich habe einfach nur Arabischer (Iran) Rosmarin!:-) Na wieder was dazugelernt!!!!
Vielen Dank!
Gruß aus Österreich
Sabine