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Freitag, 15. Januar 2010

Cumarine und Fur(an)ocumarine

Ergänzend zum letzten Eintrag möchte ich kurz erläutern, dass die untersuchten Furocumarine Moleküle sind, die von den Cumarinen abgeleitet sind, also so genannte Cumarinderivate. Der Name Cumarin kommt von Cumarú, das ist der brasilianische/spanische Name für die Tonkabohne, die Frucht eines Urwaldbaumes, der mit unseren Erbsen, Bohnen aber auch Mimosen- und anderen Akazienbäumen verwandt ist (Foto). Cumarin wurde erstmals 1822 daraus extrahiert. Ihr fein duftender, an Vanille erinnernder Extrakt, enthält 60 Prozent Cumarin und wirkt extrem entkrampfend und schmerzlösend, wenn das Schmerzgeschehen psychologische Hintergründe hat. Äußerlich angewendet kenne ich keine Kontraindikationen. Im Klinikum Neuperlach wurde ein Tonka-Schmerzöl entwickelt, welches sogar bei Tumorschmerzen Linderung verschaffen kann (mit Atlaszeder, Orange und Lavendel) Sind hier Neuperlacherinnen unter den Leserinnen? Wer weiß die genaue Rezeptur? Darf sie veröffentlicht werden?



Cumarin (auch 1,2-Benzopyron, o-Cumarsäurelacton) ist auch für das Aroma des (angetrockneten) Waldmeisterkrauts verantwortlich, ebenso für frisches Heu, Cumarine sind besonders reichlich im Ruchgras enthalten und zu knapp 5 Prozent im ätherischen Öl des chinesischen Cassiazimtes (Cinnamomum aromaticum). In diesem gemahlenen Zimt sorgte es auch in Anti-Diabetes-Mitteln und sogar in Weihnachtsgebäck für negative Schlagzeilen. Im teureren Ceylonzimt (Cinnamomum zeylanicum) ist es nicht oder nur in Spuren enthalten.
Die Menge für die innere Aufnahme von Cumarin ist in Deutschland und auch in den USA reglementiert. Noch vor dem zweiten Weltkrieg gehörte etwas geriebene Tonkabohne in den Weihnachtstollen und den Fruchtsalat, diese leckere Mode ist vorbei, seitdem uns Angst vor der krebsauslösenden Wirkung gemacht wird. Es sind allerdings nur winzige Spürchen der Bohne nötig, um einer Süßspeise das feine Aroma zu verleihen. Und auch um die glücklichstimmenden Neurotransmitter im Gehirn zu aktivieren.



Furocumarine sind sozusagen erweiterte oder ausgebaute Cumarine, sie haben neben dem beiden Molekülen gemeinsamen Benzenring (rot markiert) noch einen Furanring aufzuweisen. Dieser macht das Molekül sehr aktiv, insbesondere unter bestimmtem UV-Licht. Furocumarine gelten zur Zeit aufgrund von Tierexperimenten als auch als krebserzeugend, wie im letzten Post jedoch gesehen, auch als krebsvermindernd oder gar -verhindernd. Vielleicht gilt hier mal wieder der abgedroschene Spruch, dass die Dosis das Gift macht. In ätherischen Öle sorgen sie für eine bessere Haltbarkeit der Zitrusschalenöle, da sie antioxidativ wirken und sie verstärken die entkrampfende Wirkung von Estern. Sie werden in der Psoriasis-Therapie medizinisch genutzt.

Kommentare:

Sabine hat gesagt…

Hallo Eliane,

Danke für die Ausführliche Aufklärung!! :-))

Gruß Sabine

Marit hat gesagt…

Wie immer klasse Informationen.
Das habe ich an Info gefunden. Die Mischung ist angeblich
angelblich im Neuperlacher Krankenhaus entwickelt worden.
Der Post stammt von Gabriele Stark.


2 Tropfen Tonka (Dipterys odorata)
1 Tropfen Orange (Citrus sinensis)
4 Tropfen Zeder (Cedrus atlantica)
1 Tropfen Lavendel fein (Lavandula angustifolia)
in 50 ml Jojobaöl
bei ganz akuten Schmerzen in 20 ml Jojobaöl

Gruß Marit

Nimue hat gesagt…

Danke Marit, diese rezeptur werde ich ausprobieren, vielleicht hilft das bei meiner Meralgie.

Susanne hat gesagt…

Wie immer super Infos!
...und nebenher wieder mal ein bisschen Chemie - ist ja gar nicht so schwer!
Grüsse!

Gabriele hat gesagt…

Hallo Eliane
Ich mag die Tonkabohne auch sehr gerne zum Softräuchern. Der Duft ist als ätherisches Öl oder als Räucherwerk wunderbar. Ich habe sie auch dieses Weihnachten in den Stollen gerieben, konnte aber keinen Unterschied zum herkommlichen gebackenen Stollen erschmecken.

Anonym hat gesagt…

Den Duft von Tonka liebe ich auch sehr.
Und vor allem ist das ÄÖ auch sehr hilfreich. Mein Mann leidet als Paraplegiker an starken Spastiken, vor allem vor dem Einschlafen. Meine Ölmischung enthält immer Tonka. Kurz nach dem Einreiben ist schon eine Entspannung der Muskulatur zu beobachten.
LG Heidi