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Freitag, 27. Februar 2009

Wissenschaftliche Analysen


Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

Keine Sorge, ich bin nicht unter die Lyrikerinnen gegangen. Außerdem ist das "Der Erlkönig" von J. W. von Goethe. Wir wollen nun ein kleines Spiel machen und zwei Strophen dieses berühmten Gedichtes nach Kriterien der modernen Wissenschaft analysieren. Wie viele Zeilen zählt dieses Gedicht? Richtig, sechs Zeilen plus eine Leerzeile. Aus wie vielen Wörtern bestehen die ersten zwei Zeilen? Ganz klar, aus 60 Wörtern, sieht doch JEDER! Wie viele Buchstaben sind darin enthalten? Logo, 60 Buchstaben! Wie viele A's finden wir darin? 10 x a und 2x ä, Herr Lehrer! In den zwei letzten Zeilen jedoch weder das eine noch das andere. Diese Antworten gelten überall und diese Fragen sind immer und von jedem Menschen REPRODUZIERBAR identisch zu beantworten. Auch wenn man das Gedicht einem x-beliebigen Menschen, also RANDOMISIERT ausgesucht, irgendwo auf der Welt zeigt (vorausgesetzt, er/sie kann Deutsch!) Wer das Gedicht nicht lesen kann, weil er blind ist, kann es sich vorlesen lassen oder gar von einem Blinden rezitieren lassen, DOPPELBLINDES Zuhören also, und dennoch wären die Antworten die gleichen.
Was hat das mit Aromatherapie zu tun? Sehr viel! Denn wenn ätherische Öle im klinischen Bereich auch nur in Erwägung gezogen werden, müssen wissenschaftliche Studien her! Reproduzierbar, doppelblind und randomisiert. Angeblich gibt es sie nicht. Doch es gibt viele, sehr viele, die meisten erfüllen mindestens eines dieser Kriterien.
Ich habe mal auf einem Vortrag gesagt, dass ich mich als "Botschafterin" sehe, diese Studien zu finden und in allgemein verständliche Sprache zu übersetzen (oder zunächst einfach nur aus dem Englischen ins Deutsche). Und mit der obigen Metapher will ich aufzeigen, dass ich immer wieder Bauchweh bei dieser Tätigkeit habe, obwohl ich sie zum momentanen Zeitpunkt als sehr wichtig betrachte. Gute Lyrik erkennt man selbstverständlich nicht (nur) an den aufgezählten Zahlen und Fakten. Ja, diese sind relevant, doch Lyrik ist mehr, viel mehr! In Reimen wie "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" wird man gewiss ebenso viele A's finden und auch eine ähnliche Anzahl an Strophen und Zeilen wie beim kompletten Gedicht von Goethe. Kein Wissenschafter würde den Unterschied an dichterischer Kunst abstreiten.
Bei der wissenschaftlichen Anerkennung der Naturheilkunde und insbesondere der ätherischen Öle, zählen jedoch zur Zeit nur die Anzahl der Vokale, die Zeilen, die Strophen, die Reproduzierbarkeit, die doppelblinden Studien, die randomisiert ausgesuchten "Versuchskaninchen". Noch sehr wenig werden die Jahrtausende alten Erfahrungen der Menschheit mit Heilkräutern anerkannt.
Die Gedicht-Metapher stammt übrigens nicht von mir, sondern vom renommierten Physiker und Co-Inhaber des Friedensnobelpreises Prof. Hans-Peter Dürr (*1927). Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Kommentare:

Aromula hat gesagt…

Erlkönig oder Nebelstreif? Zwei Menschen schauen und sehen ganz unterschiedliche Dinge: Das ist noch eine Zusatzaussage über die analytische Gedichtmetapher (die finde ich ja super!!!)hinaus. Das betrifft nämlich die Aromatherapie ganz besonders und kann Studien schon mal individuell ad absurdum führen: Die persönlichen Duftassoziationen. Wenn es mir bei einem noch so sesquiterpen- und estergespickten Öl laut Wissenschaft eigentlich ganz schlummerig und ausgeglichen zumute werden soll, kann es trotzdem sein, dass meine Riechbiographie einen Adrenalinausstoß bewirkt und mich mit allen Stresssymptomen ausstattet.
Und noch eine aromatherapeutisch brauchbare Aussage: Das Kommuniaktionsporblem! Der Vater hört dem Sohn einfach nicht richtig zu, weil sein rationales Erwachsenen-Weltbild ihm den Schlüssel zur Not seines Kindes verwehrt.

Bianca hat gesagt…

Hallo Eliane!
Es war echt zum Verzweifeln! ich konnte auf zwei Blogs nicht kommentieren und bei einem anderen hatte ich plötzlich keinen Zugriff mehr!
Jetzt hat sich das alles wieder eingerenkt, zum Glück!
Aber sowas ist suuupernervig, vor allem wenn man lange Kommentare schreibt und dann sieht man erst das das mit der Wortbestätigung nicht klappt!

Lg,Bianca

Lillian hat gesagt…

Hallo Eliane, tolle Metapher, toller Beitrag. Liebe Grüße Lillian

Gaby hat gesagt…

Hej Eliane,
wo kriegst Du das alles bloß immer her?
Vielen Dank für die Metapher.

Knuddel

Anonym hat gesagt…

sehr erfreulich das zu lesen ! vielen dank eliane !
marzio

Eliane Z. hat gesagt…

Danke für den dicken Blumenstrauß, danke, dass sich von hundert LeserInnen täglich immerhin fünf erkenntlich zweigen. Wie ich das mache? Wenn ich etwas lese, und ich lese viel, finde ich oft eine Verbindung zu aktuellen Themen in der Aromatherapie. Und die schreibe ich dann einfach auf! Früher auf diversen Zettelchen und Heftchen (auf Nimmerwiedersehen) und heute im Blog. Für euch zum Mitlesen. Eliane