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Freitag, 8. Mai 2009

Warum wir riechen, was wir riechen


Auf unserer Riechschleimhaut befinden sich neben Stütz- und Drüsenzellen 20 bis 30 Millionen Riechzellen. An deren Ende spalten sich in neun bis zwölf nicht bewegliche Riech-Sinneshaare - in so genannte Zilien - auf, deren Oberfläche mit Rezeptor-Proteinen bestückt ist. Es gibt etwa 350 dieser verschiedenen Proteine, die jeweils nur für eine bestimmte Duftgruppe empfindlich sind. Man spricht vom Schlüssel-Schloss-Prinzip, das in der Zeichnung skizziert ist, nur müssten 350 unterschiedliche Farben und Formen dargestellt werden (eine ausführlichere Zeichnung befindet sich hier). Die „Riechhärchen“, die in einer Sekretschicht liegen, sind der Ort der „olfaktorischen Transduktion“: Wenn Duftmoleküle,  also Materie, an die passenden Zilien angedockt haben, werden ihre„Fingerabdrücke“ in nicht materielle elektrische Informationen umgewandelt. 

Nach der „Übersetzung“ des Duftmoleküls in Duftinformation werden in Bruchteilen von Sekunden über den langen Nervenfortsatz aller auf diesen Duft spezialisierten Riechzellen durch viele kleine Öffnungen einer Knochenplatte namens Siebbein (Os ethmoidale) direkt in einen Teil des Endhirnes geleitet: zu den zwei paarigen Riechkolben. Noch ein paar komplizierte Schritte in Richtung Limbisches System und wir riechen!!!! Und nicht nur das: Im Limbischen System (=Rhinenzephalon=Riechhirm), werden Erinnerungen und Gefühle ausgelöst. Dieser Prozess wiederum bewirkt eine Ausschüttung von Botenstoffen (Neurotransmitter), die Einfluss auf unsere Stimmungen haben. Die Duftstimuli erreichen auch den Hypothalamus – hier werden Nahrungsaufnahme, vegetative Reaktionen und hormonelle Prozesse (insbesondere durch Sexualhormone) gesteuert. Auch der Hippocampus wird angesteuert, dieser winzige "Fleck" im Gehirn „verwaltet“ unsere Erinnerungen. So greifen also Düfte in viele wesentliche Steuerungsprozesse unseres Befindens ein. In Negativen, wie im Positiven: Miefiger Teppichboden, müffelnde U-Bahn-Gäste und überparfümierte Damen können schlimmstes Missempfinden auslösen. Ein geliebter Duft in der Duftlampe oder im Bad, ein vanilleduftendes Baby oder ein Rasierwasser, das an alte Zeiten erinnert, können für seelische Höhenflüge sorgen.

Wir können nach neuesten Erkenntnissen auch mit der Haut riechen, Spermien können riechen, unser Drillingsnerv (N. trigeminus) ist an entscheidenden Riechprozessen beteiligt und unser Vomeronasalorgan in der Nase kann vermutlich auch riechen. Eigentlich sind wir Menschen richtige Nasentiere, denn wir können circa 10.000 Gerüche unterscheiden, zumindest nach etwas Training.
© Zeichnungen: Eliane Zimmermann

Kommentare:

Lillian hat gesagt…

Guten Morgen Eliane, interessanter Post. "Jemanden gut RIECHEN können" oder auch nicht ... geschieht sekundenschnell und ohne die willentliche Möglichkeit einer Bewertung - es sind gespeicherte Infos die sofort präsent sind. Auch interessant, dass wir uns mit Düften ziemlich leicht an der Nase rumführen lassen ;-))Ganz liebe Grüße nach Ireland. Lillian

Mirjam hat gesagt…

Hallo,
sehr interessanter Post. Habe eben auch das Buch von Hans Hatt "das Maiglöckchen-Phänomen" fertig gelesen und bin begeistert. Und wenn man seiner Nase nicht traut, wird es leider schlimmer. Am eigenen Leib erfahren: Hatte einen Freund in jungen Jahren, der mich so eingeengt hat, dass ich ihn nicht mehr riechen konnte und die Nase ging zu. Dachte aber das sei nur "vorübergehend". Dann hat aber mein Körper heftiger reagiert und ich habe eine athmatoide Bronchitis bekommen :-o... Und dann die Konsequenzen gezogen. Seither hatte ich nie wieder Asthma ;-).
Grüsse aus der sonnigen Schweiz (wie das Wetter wohl in Irland ist?!)
Mirjam

Aromula hat gesagt…

Liebe Eliane,
uiiii Deine Illustrationen sind ja klasse! Darf ich die wohl mal für einen Vortrag an die Wand werfen - natürlich mit Quellenangabe?? Vielleicht kann Dir mein Herr Einstein dafür ja mal wo assisitieren?
Liebe Grüße,
Ula

Anonym hat gesagt…

danke für den informativen post, eliane!

... ja, ja ... wie bedeutend doch der Riechsinn ist ... interessante info: es war jahrelang ein phänomen - ein paar ist zusammen, alles passt wunderbar. dann entschließen sie sich kinder zu kriegen - sie setzt die pille ab. was passiert? sie kann ihn auf einmal nicht mehr "riechen" - das paar trennt sich. warum das? die einnahme der pille beeinträchtigt den riechsinn, der ja bei der partnerwahl überaus wichtig ist. ist frau wieder "clean", beeinflusst der riechsinn sie bei der richtigen partnerwahl. find ich echt bemerkenswert ...

Cavehominem hat gesagt…

Ist schon interessant, was im menschlichen Körper so alles vor sich geht. Sogar im Darm haben wir gewisse "Riechzellen". Er wird ja auch "Bauchgehirn" genannt.

Gruß,
Patricia.