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Donnerstag, 6. November 2008

Die korrekte Version des Gattefossé-Mythos

Kürzlich habe ich bei einem Vortrag wieder mal die alte Story vom Herrn Gattefossé gehört, der seine Hand verbrannte, sie in einem Pott Lavendelöl "gelöscht" und gekühlt hat, keine Schmerzen hatte und somit die Aromatherapie "wiederentdeckt" hat. Laut einem der Pioniere der neuzeitlichen Aromatherapie Robert Tisserand - er hat immerhin die Übersetzung von Gattefossés französischsprachigem Buch "Aromathérapie" (1937) ins Englische (1993) ausführlich begleitet und kommentiert - verhielt sich die Sache völlig anders. Der genaue Wortlaut ist auf "Tisserand's Space" auf der Website seiner ehemaligen Firma nachzulesen. Demnach war Gattefossé, dessen Körper wegen einer Chemikalienexplosion im Jahr 1910 (oder nur die Arme? "after a laboratory explosion covered me with burning substances") richtig brannte, ins Freie gestürzt und hat sich auf einem Rasen gewälzt, um die Flammen zu löschen. Danach entwickelte sich an beiden Händen ein Wundbrand (der durch das Bakterium Clostridium perfringens ausgelöst wird - er kommt beispielsweise im Boden vor). Seinerzeit verstarben noch ein Viertel der infizierten Menschen an der sich sehr rasch ausbreitenden Gangrän, zumindest war sie ein Grund zur Amputation der befallenen Gliedmaßen in den Kriegen vor dem zweiten Weltkrieg.
Gattefossé vermerkte in seinem Buch, dass "nur eine Spülung mit Lavendelöl" die übliche Gasbildung im Gewebe stoppte, er entwickelte sich sodann ein übermäßiges Schwitzen, doch am nächsten Tag setzte die Heilung ein. Und nur dank des Lavendelöles konnte er weitere Pioniere wie Jean Valnet und Margherite Maury in dieser duftenden Wissenschaft unterrichten, deren Bücher in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Aromatherapy-Boom in Großbritannien auslösten. Aber das ist eine andere Geschichte.

1 Kommentar:

Nicole hat gesagt…

Hmm, in meinem Buch von Robert Tisserand erwähnt er aber selbst die "Hand schnell in Lavendelöl getaucht"-Geschichte....