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Freitag, 7. November 2008

Die mühsame Gewinnung von Sheabutter - reine Frauensache

Shea(butter) oder in den französischsprachigen Ländern West-Afrikas Karitébutter (Vitellaria paradoxa C.F. Gaertn., Sapotaceae) ist eines der erfolgreichsten Kapitel der Naturkosmetik und Aromatherapie der letzten zehn Jahre.
Dieser in ganz West-Afrika (Burkina Faso, Mali, Ghana u. a.) wild wachsende, bis zu 15 Meter hohe Baum, trägt vier Zentimeter große, pflaumenartige Früchte, deren Nüsse bis zu 50 Prozent dieses wertvollen Fettes enthalten. Es wird sowohl für kosmetisch-pflegende Zwecke eingesetzt als auch als Lebensmittel sowie als Brennmittel (à la Petroleumlampe). In der INCI-Deklaration auf Kosmetik wird es immer unter dem alten botanischen Namen Butyrospermum parkii aufgelistet. Es wird vor allem in Burkina Faso seit Jahrhunderten als Nahrungs- und als Schönheitsmittel verwendet, auch als Lichtquelle in Form von Kerzen und zur Massage Neugeborener spielt es eine wichtige Rolle, darum vermutlich der Name sii, was in der lokalen afrikanischen Sprache heilig bedeutet.
Die extrem mühsame Gewinnung des auch Galam-Butter genannten Fettes ist traditionell Frauendomäne, die sich vielerorts durch die Popularität dieses ungewöhnlich hautpflegenden Naturproduktes eine bescheidene finanzielle Unabhängigkeit sichern konnten; Männer „dürfen“ den Baum nicht berühren. Seit jedoch der weltweite Bedarf kontinuierlich steigt, müssen sie bisweilen Abgaben an die Männer ihrer Dörfer machen - es ist fast eine Art Zuhältertum entstanden - so dass sich kritische europäische für Fair Trade-Produkte entscheiden sollten, wo diese Form der Ausbeutung zumindest etwas kontrolliert wird.
Ein junger Baum trägt erstmals nach 15 Jahren Früchte, die von April bis September geerntet werden können. Pro Baum können bis zu 20 Kilo anfallen, was maximal anderthalb Kilo Sheabutter ergibt. Je nach Herkunftsland und Gewinnungsverfahren kann das Endprodukt erhebliche Unterschiede in Konsistenz, Geruch und Farbe aufweisen. Europäische und amerikanische Firmen importieren oft die Nüsse und pressen das Fett selbst.
Auf Youtube kann man etliche Filmchen zur Gewinnung dieser heiligen und wertvollen Butter anschauen, die Ton-Qualität von einigen ist kaum zu ertragen, doch selbst die nicht immer scharfen Bilder lohnen sich und geben uns trägen "zivilisierten" Menschen einen Eindruck über dieses mühsame Geschäft. Hier zwei recht professionell hergestellte Videos, eines auf französisch, eines auf englisch, beide über die Gewinnung des Fettes in Burkina Faso. Ein Film aus Senegal ist auch sehr informativ.
Das Besondere an dieser gelblichen, etwas nussig-säuerlich riechenden Masse ist ihr hoher Anteil an Unverseifbarem (lässt sich bei der Herstellung von Seife nicht verseifen und bleibt als Rückstand zurück). Sheabutter kann bis zu 11 Prozent davon enthalten (Avocadoöl bis zu 6 Prozent, Sesamöl bis zu 1,5 Prozent, Olivenöl bis zu 1,2 Prozent), weshalb sie eine ideale Beigabe zu jeder Fette-Öle-Mischung ist. Somit stellt das Unverseifbare in der Sheabutter eine ungewöhnlich hoch konzentrierte Substanz zum Geschmeidigmachen auch von ganz trockener und gereizter Haut dar. In Pflegeprodukten schätzt man auch die feuchtigkeitsbindende Wirkung auf die Oberhaut. Und HundebesitzerInnen, deren Liebling oft an wehen Pfoten leidet, beispielsweise im Winter durch Salz aus den Wegen, werden mit Sheabutter eine überraschende Tierkosmetik zur Hand haben.
Bei der Behandlung von Narben beobachtete man eine Zunahme der Elastizität des Gewebes. Dieses Unverseifbare kann man deshalb auch in isolierter Form erwerben.
Sheabutter beschleunigt Heilungsprozesse (enthält Allantoin), schützt den Feuchtigkeitshaushalt der Haut und ist ausgezeichnet verträglich. In Europa erhält man sie meistens als schonend raffiniertes Produkt, sie ist dann schneeweiß und fast geruchsneutral.
Eine kosmetisch noch interessantere Variante stellt die selten erhältliche ostafrikanische Sheabutter aus Vitellaria paradoxa ssp. niloticum dar, sie ist ein geschmeidigerer und fast geruchsfreier oder leicht vanilleartig duftender Kosmetikzusatz, sie ist erhältlich bei Ronald Reike, der auch sonst hoch interessante Rohstoffe für die Naturkosmetik anbietet: http://www.naturrohstoffe.de/shop_oele_basisoele.php.
Als Zugabe zu fetten Ölen lässt man sie schonend schmelzen, beispielsweise auf der Heizung oder im Wasserbad, und gibt sie dann dem Öl zu. Wenn man sie zu 50 Prozent zugibt, erhält man eine vorzügliche weiche Nasen- und Brustsalbe. Für Cremes gegen Schwangerschaftstreifen und für Lippenbalsam darf die Konsistenz etwas fester sein, ein Beispiel für eine schnelle Salbe: 20 Gramm Sheabutter mit 10 ml Jojobalöl in einem ganz sauberen kleinen Marmeladen-Schraubglas auf der Heizung zusammen schmelzen. Mit ganz sauberem Löffelchen etwas umrühren, mit circa 10 bis 15 Tropfen ätherischen Ölen beduften und einige Stunden fest werden lassen. Bei Erkältungen je 5 Tropfen Cajeput, Ravintsara und Thymian Ct. Linalool, bei rauhen Lippen je 2 Tropfen Mandarine rot, Grapefruit und Benzoe, dazu 10 Tropfen Vanilleextrakt (in Alkohol). Zur Vorbeugung von Schwangerschaftstreifen je 5 Tropfen Lavendel, Weihrauch und Mandarine. Gegen Cellulite je 5 Tropfen Zypresse, Orange, Wacholder und Kaffee-CO2-Extrakt (erhältlich bei Feeling) und statt Jojobaöl wirkt noch besser das kostbare Centella-Mazerat (auch genannt Brahmi, Tigergras, Gotu Cola), erhältlich bei Maienfelser. Tolle Rezepte und prima Informationen rund um Naturkosmetik zum Selbermachen gibt es bei Heike Käser http://www.olionatura.de
Bei Franz Thome aus Hamburg kann man unterschiedliche Qualitäten zu enorm günstigen Preisen bestellen, seine Frau ist aus Ghana und er unterstützt mit seinem kleinen Direkt-Import seine Schwiegerfamilie.

Kommentare:

Gaby hat gesagt…

Hallo Eliane,

Sheabutter mit etwas Nachtkerzenöl oder Arganöl und ein paar Tropfen Benzoe Siam ist etwas ganz wunderbares bei rissigen Pfoten - nicht nur im Winter.

Max bekommt manchmal noch einen Hauch Vanille dazu - typisch Husky, gell ;)

LoFi hat gesagt…

Bevor Ihr Arganöl kauft, solltet ihr es vorher einmal testen. Also ob die Qualität und der Geschmack stimmen und euch zusagen.
Kostenlose Arganölproben erhält man leider so gut wie gar nicht. Ich kenne bisher einen Anbieter der sowas völlig gratis anbietet, und das ist ArganPlus.


Ich hoffe ich kann damit dem einem oder anderen etwas helfen und es freuen sich einige.