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Mittwoch, 11. März 2009

Kampferöl, Cinnamomum camphora


Ich betreue das Forum Cysticus für Menschen mit Mucoviszidose. Darin werden immer interessante Fragen gestellt und weil ich gleich auf lange Reise quer durch Deutschland gehe, möchte ich einen wichtigen Fragenkomplex samt meiner Antwort hier rein stellen, denn das Thema ist für viele Menschen interessant. Die Frage war:
Sind ätherische Öle unbedenklich?
Und speziell "Was sagen Sie dazu:
  • Kampfer macht homöopatische Heilmittel unwirksam.
  • Kampfer ist entzündungshemmend .
  • Kampfer schadet Kindern".
Meine Antwort: Oh, diese Frage werde ich morgen und übermorgen in einem Biochemie-Kurs für Ärzte und Krankenschwestern beantworten und selbst nach zwei Tagen bleiben noch Fragen offen!!!
Grundsätzlich: Man kann "ätherische Öle" nicht über einen Kamm scheren. Sie bestehen zunächst einmal aus zwei ganz unterschiedlichen Gruppen (was chemischen Aufbau und beeinflussende Stoffwechselvorgänge in der Pflanze anbelangt). Eine Gruppe sind die Terpene und ihre Abkömmlinge, relativ einfache und kleine Moleküle wie Limonen in den Schalen der Zitrusfrüchte und Pinen in den Nadeln der Nadelbäume. Sie "altern" schnell, die Öle haben also nur eine Haltbarkeit von einem Jahr, sonst gibts ev. Hautreizungen. Viele aus dieser Gruppe haben beispielsweise stark schleimlösende und antibakterielle Eigenschaften.
Die zweite große Gruppe sind die Phenole und ihre Abkömmlinge, unter denen sind einige psychisch wirksame ("antidepressive") und stark hautreizende äth. Öle, die aber auch nachweislich und überprüfbar wie Antibiotika wirken.
Ätherische Öle befinden sich in kleinen Mengen in vielen Gemüse- und Obstarten, sie zählen heute zu den SPS (Sekundären Pflanzenstoffen), sind also für den Menschen entwicklungsgeschichtlich vorgesehen und in normalen Mengen (circa 1%ige Verdünnung) und in natürlicher Form gut verträglich. Synthetische ("naturidentische") Öle enthalten mindestens 3% eher unverträgliche (oft chlorierte) Trägersubstanzen, die zu Problemen führen können. Standardisierte (natürliche) Öle, beispielsweise "Apothekenöle" nach DAB, können je nach Zweck und Firma auch synthetische Anteile enthalten.


Kampfer ist ein Monoterpen-Keton (und heißt in der Fachsprache Borneon), gehört also zur ersten Gruppe und ist nur in ganz wenigen äth. Ölen enthalten, bei den gängigen nur in Rosmarin Ct. Kampfer und Ct. Cineol sowie in den Blättern des schönen "chinesischen" Kampferbaumes (andere Kampferbaumarten haben wieder ganz andere Inhaltsstoffe). Der Baum duftet wie Wick Vaporub. Dieses spezielle Öl gehört in die Hände von fachkundigen Aromatherapeuten und Pharmafirmen, sollte nicht von Laien verwendet werden und wird auch oft nicht von den guten Firmen verkauft.
"Darf nicht für Kinder verwendet werden" stimmt und auch nicht von Schwangeren oder Epileptikern. Mit der Entzündungshemmung ist es nicht so ganz klar, da gibt es wesentlich bessere ätherische Öle wie Kamille blau und Rose oder Weihrauch. Und ja, weder Kampfer noch Rosmarinöl sollte gleichzeitig mit hochpotenzierten homöopathischen Mitteln verwendet werden. Und auch ja, Kampfer wirkt stark schleimlösend und wirkt erfrischend, kreislaufstabilisierend und konzentrationsfördernd, ist also für erwachsene erkältete Menschen hilfreich. Es wird vor allem über den Nervus trigeminus (Drillingsnerv im Gesichtsbereich) "gerochen" und wurde früher zur Behebung von Ohnmacht verwendet. Es kann sich jedoch bei übertriebener und langer Anwendung in Nerven- und Leberzellen negativ bemerkbar machen.
Vielleicht können Sie ahnen, das man allein über ein einziges Öl sehr viel sagen kann, und wir haben circa 150 im Verkauf für Nicht-Parfümeure zur Verfügung. Mehr auf den Chemie-Seiten auf meiner Website.

Kommentare:

Ich bin Svenja hat gesagt…

Meine Güte, was es nicht alles über ein einziges Öl zu wissen gibt....Ich bin beeindruckt von Deiner Fachkompetenz! Vielen Dank!

Viele liebe Grüße, Svenja

Susanne hat gesagt…

...genau deshalb sollte man sich gut ausbilden lassen...!
Ich frage mich jedoch immer wieder, wie du das alles behalten kannst, Hut ab!!!